Ankertext: Der richtige Mix für ein natürliches Linkprofil
Es gibt einen Wert im Linkprofil, der schneller Ärger macht als jeder andere: den Anteil der Ankertexte, die exakt Ihr Money-Keyword enthalten. Wer 30 Prozent seiner Links mit „ergonomische Bürostühle“ beschriftet bekommt, hat kein starkes Profil, sondern ein auffälliges.
Das Problem ist selten böser Wille. Es entsteht, weil Ankertexte fast immer dort optimiert werden, wo man sie kontrolliert – bei gekauften Magazin-Links, in Gastbeiträgen, in Verzeichnissen. Genau dort entsteht das Muster, das Google seit Penguin als Manipulationsversuch liest, während organisch verdiente Links praktisch immer anders aussehen: Markennamen, URLs, „hier“.
Dieser Beitrag sortiert die sieben Ankertext-Typen mit Beispielen, nennt eine belastbare Faustregel für die Verteilung, zeigt, wie Sie Ihr eigenes Profil in Ahrefs, Semrush und der Search Console auswerten – und rechnet an einem Profil mit 120 verweisenden Domains durch, wie eine Korrektur über sechs Monate realistisch aussieht.
Kurz & knapp
- Der Ankertext ist der klickbare Text eines Links. Er beschreibt Google, worum es auf der Zielseite geht, und ist damit ein Relevanzsignal – aber kein Hebel, an dem man ziehen kann, ohne aufzufallen.
- Es gibt sieben praxisrelevante Typen: Marke, Marke + Keyword, exaktes Keyword, Teil-Keyword, generisch („hier“), nackte URL und das Alt-Attribut eines verlinkten Bildes.
- Seit dem Penguin-Update von 2012 bewertet Google auffällige Keyword-Häufungen im Ankertext als Muster für gekaufte oder getauschte Links. Seit Penguin 2016 im Kernalgorithmus arbeitet, werden solche Links überwiegend entwertet statt bestraft.
- Als Faustregel aus unseren Projekten – kein von Google veröffentlichter Wert: Marke mindestens 50 Prozent, URL und generisch zusammen 20 bis 30 Prozent, Teil-Keyword 10 bis 20 Prozent, exaktes Keyword unter 5 Prozent.
- Die Verteilung prüfen Sie im Ankertext-Bericht von Ahrefs oder Semrush und über die Top-Linktexte in der Google Search Console – immer auf Domain-Ebene, nie auf Link-Ebene.
- Interne Ankertexte folgen anderen Regeln: Sie dürfen und sollen präzise sein, weil sie erklären und nicht empfehlen. In der KI-Suche liefern sie zusätzlich den Kontext, mit dem ein Modell Ihre Marke einem Thema zuordnet.
Was ein Ankertext ist – und was Google daraus liest
Der Ankertext, im Englischen Anchor Text und im Deutschen auch Linktext genannt, ist der sichtbare, klickbare Teil eines Links. Im Quelltext steht er zwischen den beiden a-Tags: <a href="https://sitzwerk.de/ergonomische-buerostuehle/">ergonomische Bürostühle</a>. Für Nutzer ist er die Vorschau auf das, was hinter dem Klick wartet. Für Suchmaschinen ist er eine kurze Fremdbeschreibung der Zielseite.
Diese Fremdbeschreibung ist der Punkt. Alles, was auf Ihrer eigenen Seite steht – Title, H1, Fließtext –, ist Selbstauskunft. Der Ankertext eines fremden Links ist die Einschätzung eines Dritten, und die hat für eine Suchmaschine traditionell mehr Gewicht. Genau deshalb wurde er über Jahre so massiv manipuliert. Wie Links grundsätzlich wirken, erklärt unser Grundlagen-Guide zu Backlinks.
Google selbst formuliert die Erwartung in der SEO-Startanleitung unaufgeregt: Linktext soll beschreibend und aussagekräftig sein, damit Nutzer und Suchmaschinen verstehen, wohin der Link führt. Das ist eine Anweisung an den Verlinkenden, nicht an den Verlinkten. Wer den Ankertext seiner eingehenden Links selbst diktiert, hat die Rollen vertauscht – und genau das ist erkennbar.
Die sieben Ankertext-Typen mit Beispielen
In der Praxis reichen sieben Kategorien, um jedes Linkprofil zu sortieren. Als durchgängiges Beispiel dient ein fiktiver Möbelhersteller: Marke „Sitzwerk“, Zielseite sitzwerk.de/ergonomische-buerostuehle/, Money-Keyword „ergonomische Bürostühle“.
| Typ | Beispiel | Was Google daraus liest | Herkunft im echten Profil |
|---|---|---|---|
| 1. Marke | Sitzwerk | Jemand nennt ein Unternehmen beim Namen – das übliche Verhalten in redaktionellen Texten | Presse, Erwähnungen, Partnerseiten, Social Profile |
| 2. Marke + Keyword | Ergonomische Bürostühle von Sitzwerk | Klare thematische Zuordnung, aber mit Absender – wirkt natürlich, transportiert Relevanz | Redaktionelle Beiträge, Tests, Produktvorstellungen |
| 3. Exaktes Keyword | ergonomische Bürostühle | Starkes Relevanzsignal, in Häufung aber das klassische Muster für Linkkauf | Fast immer selbst gesetzt oder bestellt |
| 4. Teil-Keyword / Longtail | Bürostühle mit ergonomischer Rückenstütze | Thematische Nähe ohne exakte Übereinstimmung – der unauffälligste Weg, Relevanz zu übertragen | Ratgeberartikel, Vergleiche, Foren |
| 5. Generisch | hier, mehr erfahren, zur Website, in diesem Beitrag | Kein thematisches Signal, dafür ein deutliches Echtheitssignal | Blogs, Foren, Quellenangaben, Newsletter |
| 6. Nackte URL | sitzwerk.de/ergonomische-buerostuehle | Reine Quellenangabe – kommt in manipulierten Profilen fast nie vor | Zitate, PDF-Quellen, Verzeichnisse, automatische Einbindungen |
| 7. Bild-Alt als Anker | Verlinktes Bild mit alt=“Sitzwerk Bürostuhl Modell Aeris“ | Google wertet bei verlinkten Bildern das Alt-Attribut als Ankertext | Infografiken, Logo-Einbindungen, Partner- und Kundenlisten |
Der siebte Typ wird regelmäßig übersehen. Wenn Ihr Logo auf einer Partnerseite eingebunden und verlinkt ist, entscheidet das Alt-Attribut dieses Bildes darüber, welchen Ankertext Google sieht. Bei Infografik-Verbreitung und Logo-Wänden kann so unbemerkt eine ganze Serie identischer Keyword-Anker entstehen – vor allem, wenn Sie den Einbettungscode selbst vorgegeben haben.
Vom Hebel zum Signal: warum Penguin alles verändert hat
Bis 2012 war die Rechnung simpel: Wer für ein Keyword ranken wollte, ließ sich mit genau diesem Keyword verlinken, möglichst oft. Die Methode funktionierte so zuverlässig, dass sich ein kompletter Markt aus Linkverzeichnissen, Artikelportalen und Blognetzwerken darum bildete.
Im April 2012 veröffentlichte Google das Penguin-Update, das gezielt gegen Linkkauf und Linktausch vorging. Der Ankertext war dabei das am leichtesten messbare Merkmal: Ein Profil, in dem ein Drittel aller Links dieselbe kommerzielle Wortkombination trägt, entsteht durch normales Verlinkungsverhalten praktisch nie. Die Folgen waren für viele Websites drastisch, weil Penguin damals ganze Domains abwertete.
Wie die Bewertung heute läuft
Seit Penguin 4.0 im Jahr 2016 Teil des Kernalgorithmus ist, arbeitet Google granularer. Verdächtige Links werden entwertet, statt die Zielseite pauschal zu bestrafen. Dieselbe Logik beschreibt Google in den Spam-Richtlinien für die Link-Spam-Updates: Erkannte Muster werden neutralisiert.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens: Eine Handvoll unglücklicher Keyword-Anker ruiniert Sie nicht. Zweitens – und das ist die eigentliche Pointe – funktioniert die Optimierung des Ankertexts als Hebel schlicht nicht mehr. Wenn die auffälligen Links ihre Wirkung verlieren, haben Sie für den optimierten Anker bezahlt und bekommen dafür bestenfalls nichts.
Der Ankertext bleibt also ein Relevanzsignal, aber er ist kein Stellrad. Er sagt Google, worum es auf der Zielseite geht. Er sagt nicht mehr, wie wichtig sie ist. Wer das verinnerlicht, hört auf, um einzelne Formulierungen zu feilschen, und achtet stattdessen auf das Gesamtbild.
Die empfohlene Verteilung – eine Faustregel, kein Gesetz
Google hat nie Zielwerte für Ankertext-Anteile veröffentlicht, und es gibt keinen Schwellenwert, ab dem ein Profil kippt. Die folgenden Zahlen sind ein Erfahrungswert aus unseren Projekten und decken sich mit dem, was man in unauffälligen Profilen im deutschsprachigen Markt regelmäßig misst. Behandeln Sie sie als Orientierung, nicht als Quote, die abgearbeitet wird.
- Marke und Markenvarianten: mindestens 50 Prozent. Dazu zählen auch Schreibvarianten, Marke plus Rechtsform und der Domainname als Wort. In gewachsenen Profilen ist dieser Anteil oft noch höher, was kein Problem darstellt.
- Nackte URL und generische Anker: zusammen 20 bis 30 Prozent. Dieser Block ist der beste Echtheitsindikator eines Profils. Fehlt er fast vollständig, ist das für sich genommen schon ein Muster.
- Teil-Keyword und Longtail: 10 bis 20 Prozent. Hier liegt der Spielraum, in dem Sie thematische Relevanz aufbauen können, ohne aufzufallen – vorausgesetzt, die Formulierungen unterscheiden sich voneinander.
- Exaktes Keyword: unter 5 Prozent. Bei 120 verweisenden Domains sind das etwa fünf bis sechs Links. Mehr braucht kein Profil, und mehr bringt seit Penguin auch keinen zusätzlichen Effekt.
Wichtiger als die Einzelwerte ist die Frage, ob sich das Profil erklären lässt. Ein Profil ist dann natürlich, wenn jeder Ankertext plausibel aus dem Text stammt, in dem er steht. Ein Profil ist auffällig, wenn dieselbe Wortkombination in Dutzenden fremder Texte auftaucht, die sonst nichts miteinander zu tun haben.
| Merkmal | Natürlich | Auffällig |
|---|---|---|
| Anteil Marken-Anker | 50 bis 70 Prozent, mit Schreibvarianten | Unter 25 Prozent, oft nur die exakte Firmierung |
| Exaktes Money-Keyword | Einzelne Vorkommen, unter 5 Prozent | 20 Prozent und mehr, auf wenige Zielseiten konzentriert |
| Formulierungsvielfalt | Viele Unikate, kaum identische Anker | Wenige Anker in vielfacher Wiederholung |
| Generisch und URL | Deutlich vorhanden, oft ein Viertel des Profils | Nahezu abwesend – jeder Link „arbeitet“ |
| Zielseiten | Startseite dominiert, Longtail breit gestreut | Zwei bis drei Geldseiten sammeln fast alle Anker |
| Zeitverlauf | Anker entstehen kontinuierlich und gemischt | Keyword-Anker in Schüben, oft im selben Monat |
| Umfeld | Anker passen zum Satz, in dem sie stehen | Anker wirken in den Text hineingezwungen |
Die eigene Verteilung prüfen: Ahrefs, Semrush, Search Console
Bevor Sie irgendetwas ändern, brauchen Sie eine Zahl. Drei Quellen reichen dafür, und sie zeigen jeweils etwas anderes.
- Ahrefs. Site Explorer, dann im Backlink-Profil der Bericht „Anchors“ beziehungsweise „Ankertexte“. Entscheidend ist die Spalte mit den verweisenden Domains, nicht die mit den Backlinks. Filtern Sie zusätzlich auf Dofollow, denn nur diese Links tragen die Bewertung.
- Semrush. Backlink Analytics, Reiter „Anchors“. Die Logik ist identisch; nützlich ist hier der direkte Vergleich mit zwei Wettbewerbern, weil er zeigt, was in Ihrer Branche normal ist.
- Google Search Console. Unter „Links“ führt der Bereich „Externe Links“ zu den Top-Linktexten. Diese Liste ist die einzige, die zeigt, welche Ankertexte Google tatsächlich kennt. Sie ist gekappt und nennt keine Domainzahlen – als Gegenprobe zu den Tools ist sie trotzdem unverzichtbar.
Der häufigste Auswertungsfehler ist die Zählung auf Link-Ebene. Ein einziger sitewide eingebundener Footer-Link auf einer Website mit 4.000 Seiten erzeugt 4.000 Backlinks mit demselben Ankertext und verzerrt jede Prozentrechnung. Zählen Sie deshalb konsequent pro verweisender Domain: eine Domain, ein Anker, eine Stimme.
Beispiel-Auswertung
Angenommen, der Ankertext-Bericht liefert für unsere Beispielmarke bei 120 verweisenden Domains dieses Bild: „Sitzwerk“ 28 Domains, „ergonomische Bürostühle“ 26, „Bürostühle ergonomisch“ 9, „sitzwerk.de“ 11, „ergonomischer Bürostuhl kaufen“ 5, „hier“ 7, „Sitzwerk GmbH“ 6, dazu 28 Domains mit jeweils einmaligen Formulierungen.
Die Sortierung ergibt: Marke inklusive Varianten 34 Domains (28 Prozent), exaktes Keyword und enge Varianten 40 Domains (33 Prozent), URL 11 (9 Prozent), generisch 7 (6 Prozent), Teil-Keyword und Longtail 28 (23 Prozent). Der Marken-Anteil liegt damit bei der Hälfte des Üblichen, der Exakt-Anteil beim Sechs- bis Siebenfachen.
Aufschlussreicher als die Prozentwerte ist der zweite Blick: Prüfen Sie, wann diese 40 Domains verlinkt haben und wo sie herkommen. Verteilen sie sich über vier Jahre und dreißig verschiedene Umfelder, ist die Lage harmlos. Stammen sie aus zwei Beschaffungswellen und ähneln sich die Seiten, haben Sie kein Ankertext-Problem, sondern ein Beschaffungsproblem. Wie Sie so etwas dauerhaft im Blick behalten, steht im Beitrag zum Backlink-Monitoring.
Rechenbeispiel: 120 Domains, 40 Keyword-Anker, sechs Monate Zeit
Nehmen wir die Zahlen von oben und rechnen die Korrektur durch. Ausgangslage: 120 verweisende Domains, davon 40 mit exaktem Keyword-Anker – ein Anteil von 33 Prozent.
Der erste Reflex lautet meist „verdünnen“. Rechnen Sie ihn einmal ehrlich durch: Um mit 40 unveränderten Keyword-Ankern unter 5 Prozent zu kommen, bräuchten Sie 800 verweisende Domains. Das ist in sechs Monaten nicht erreichbar und wäre auch kein sinnvolles Ziel. Die Korrektur besteht deshalb aus zwei Teilen – Anker ändern, wo es geht, und danach verdünnen.
Erfahrungsgemäß lässt sich bei etwa einem Drittel der Keyword-Anker der Text noch ändern: eigene Profile und Verzeichniseinträge, gekaufte Magazin-Links beim Anbieter, Partner- und Kundenreferenzen, bei denen eine freundliche Mail genügt. Der Rest bleibt, wie er ist. Parallel laufen zehn neue verweisende Domains pro Monat auf – ambitioniert, aber für ein Unternehmen mit Budget und redaktioneller Substanz machbar.
| Monat | Maßnahme | Domains gesamt | Exakt-Anker | Anteil |
|---|---|---|---|---|
| Start | Inventar erstellt, 40 Keyword-Anker klassifiziert | 120 | 40 | 33 % |
| 1 | 6 eigene Profile und Verzeichnisse auf Marke umgeschrieben, 10 neue Domains | 130 | 34 | 26 % |
| 2 | 5 Magazin-Anker beim Anbieter auf Marke + Keyword geändert, 10 neue Domains | 140 | 29 | 21 % |
| 3 | 4 Partner- und Kundenlinks angepasst, 10 neue Domains | 150 | 25 | 17 % |
| 4 | 10 neue Domains, Schwerpunkt Marke und URL | 160 | 25 | 16 % |
| 5 | 10 neue Domains, davon 3 mit Longtail-Ankern | 170 | 25 | 15 % |
| 6 | 10 neue Domains, Nachkontrolle im Ankertext-Bericht | 180 | 25 | 14 % |
Nach sechs Monaten stehen 14 Prozent statt 33. Das ist noch keine Bilderbuchverteilung, aber das Muster ist gebrochen: Der Zuwachs des letzten halben Jahres sieht komplett unauffällig aus, und der Trend zeigt in die richtige Richtung. Bei gleichem Tempo liegt der Wert nach zwölf Monaten bei rund 10 Prozent und nach zwei Jahren im einstelligen Bereich.
Unsere Empfehlung: Setzen Sie sich als Ziel nicht die 5 Prozent, sondern die Trendumkehr. Und widerstehen Sie der Versuchung, die 25 verbliebenen Keyword-Links per Disavow zu entwerten – das kostet Linkkraft und löst kein Problem, das Google nicht ohnehin schon algorithmisch behandelt. Wann eine Entwertung wirklich angebracht ist, klärt unser Beitrag zum Backlink-Audit.
Sonderfälle, die die Faustregel verschieben
Startseite gegen Unterseite
Die Faustregel gilt für das Gesamtprofil, das in der Regel von der Startseite dominiert wird. Auf Startseiten sind Marken- und URL-Anker der Normalfall, häufig zusammen über 80 Prozent. Auf einer einzelnen Unterseite verschiebt sich das Bild zwangsläufig: Wer auf einen Ratgeberartikel verlinkt, nennt selten die Marke, sondern beschreibt das Thema.
Prüfen Sie den Exakt-Anteil deshalb immer zweifach – einmal für die Domain und einmal für die drei bis fünf wichtigsten Zielseiten. Ein Gesamtprofil mit 6 Prozent Keyword-Ankern kann eine Kategorieseite enthalten, auf der 70 Prozent aller eingehenden Links das gleiche Money-Keyword tragen. Das ist der Fall, den Sie suchen.
Produkt- und Kategorieseiten im Shop
Shop-Kategorien sind der klassische Problemfall, weil ihr Name gleichzeitig das Money-Keyword ist. Wer auf eine Kategorie „Ergonomische Bürostühle“ verlinkt, schreibt aus reiner Beschreibungslogik genau das hin – und produziert einen Exakt-Anker ohne jede Manipulationsabsicht.
Google kennt dieses Muster und bewertet es milder als bei Ratgeberseiten. Trotzdem gilt: Wenn Sie den Anker beeinflussen können, wählen Sie die Variante mit Absender („Ergonomische Bürostühle bei Sitzwerk“) oder eine Longtail-Formulierung. Bei Produktseiten ist die Produktbezeichnung der beste Anker – sie ist präzise und faktisch ein Markenbegriff.
Mehrsprachige Profile
Bei internationalen Websites müssen Sie die Verteilung pro Sprachversion rechnen, nicht über die ganze Domain. Ein Profil, das in Summe unauffällig aussieht, kann in der deutschen Version 40 Prozent Keyword-Anker haben, weil die englische Version organisch gewachsen ist und die deutsche eingekauft wurde.
Zweiter Punkt: Sprachmischungen sind ein eigenes Signal. Wenn eine deutschsprachige Zielseite dreißig englische Keyword-Anker von Domains aus dem asiatischen Raum bekommt, ist die Sprache dabei das auffälligere Merkmal als der Anker selbst.
Ankertexte bei gekauften Magazin-Links
Hier entscheidet sich in der Praxis fast alles, denn bei bezahlten Platzierungen bestimmen Sie den Ankertext selbst. Genau deshalb sammeln sich dort die Exakt-Anker. Wenn Sie über zwölf Monate zwanzig Magazin-Links mit demselben Money-Keyword buchen, haben Sie nicht zwanzigmal Relevanz aufgebaut, sondern einmal ein Muster.
Unsere Vorgabe an Redaktionen im Digital-Magazin-Linkbuilding lautet deshalb: Marke oder Marke plus Keyword als Standard, Longtail-Varianten als Abwechslung, exaktes Keyword höchstens bei jeder zehnten Platzierung – und nie zweimal identisch. Der Text muss den Anker tragen können; wo er hineingezwängt wirkt, wird er geändert. Welche Risiken beim Einkauf sonst noch zu beachten sind, behandelt unser Beitrag zu Backlinks kaufen.
Ein oft übersehener Nebeneffekt: Wer bei bezahlten Platzierungen konsequent Marken-Anker verwendet, macht sein Profil nicht nur unauffälliger, sondern baut nebenbei Markenbekanntheit auf – im Kopf der Leser und in den Datenbeständen, aus denen KI-Systeme lernen.
Interne Ankertexte: hier dürfen Sie präzise sein
Für interne Links gilt die Faustregel von oben ausdrücklich nicht. Der Unterschied ist einfach: Externe Ankertexte sind Fremdaussagen und deshalb als Empfehlung lesbar. Interne Ankertexte sind Selbstauskunft und deshalb reine Navigation. Niemand manipuliert Google, indem er die eigene Website sinnvoll beschriftet.
Intern ist der beschreibende Ankertext also die richtige Wahl – und zwar exakt der Begriff, für den die Zielseite ranken soll. „Ergonomische Bürostühle“ statt „hier klicken“, „unsere Lieferbedingungen“ statt „mehr Informationen“. Das hilft Nutzern, Screenreadern und der Suchmaschine gleichermaßen. Wie sich Linkkraft dabei durch die Seitenstruktur verteilt, erklären wir im Beitrag zum Linkjuice.
Drei Dinge sind trotzdem zu beachten. Erstens sollten nicht zwei verschiedene Seiten intern mit demselben Ankertext verlinkt werden – das erzeugt genau die Konkurrenzsituation, die Sie vermeiden wollen. Zweitens zählt in erster Linie der Link im redaktionellen Text; Navigations- und Footer-Links auf jeder Seite tragen deutlich weniger. Drittens gilt auch intern: Ein Ankertext, der aus dreißig Wörtern besteht, ist keine Beschreibung mehr, sondern ein Absatz.
Der praktische Gewinn ist größer, als viele erwarten. Interne Ankertexte sind der einzige Teil Ihres Linkprofils, den Sie vollständig kontrollieren – und der einzige, bei dem Optimierung folgenlos erlaubt ist.
Ankertext in der KI-Suche: Kontext für Entitäten und Zitationen
2026 werden Links nicht mehr nur von Suchmaschinen gelesen. AI Overviews, der KI-Modus in der Google-Suche sowie ChatGPT und Perplexity ziehen Quellen heran und geben sie als Zitationen aus. Für Sprachmodelle ist der Ankertext dabei besonders wertvoll: Er ist ein extrem kurzer, von einem Dritten formulierter Satzbaustein, der eine Marke mit einem Thema verknüpft.
Genau das ist die Definition einer Entitätsbeziehung. Steht in dreißig Texten sinngemäß „Sitzwerk, Hersteller ergonomischer Bürostühle“, entsteht eine stabile Verbindung zwischen Marke und Kategorie. Steht dreißigmal nur „ergonomische Bürostühle“ ohne Markennennung, entsteht gar nichts – der Link führt zwar zur Seite, verknüpft aber keinen Namen mit einem Thema.
Das ist der vielleicht wichtigste Grund, warum die Marken-Anker heute wieder im Vordergrund stehen: Für die klassische Suche sind sie unauffällig, für die KI-Suche sind sie die eigentliche Nutzlast. Der Typ „Marke + Keyword“ ist damit der einzige Anker, der beide Ziele gleichzeitig bedient.
Häufige Fragen
Wie viele exakte Keyword-Ankertexte sind noch unbedenklich?
Als Faustregel aus der Praxis: unter 5 Prozent der verweisenden Domains. Bei 120 Domains sind das fünf bis sechs Links. Einen offiziellen Schwellenwert gibt es nicht – entscheidend ist, ob sich die Anker über Zeit, Quellen und Formulierungen verteilen oder in Schüben aus ähnlichen Umfeldern stammen.
Kann ich einen schlechten Ankertext nachträglich ändern lassen?
Bei bezahlten Platzierungen und bei Partnern in der Regel ja, per Mail an die Redaktion oder den Anbieter. Bei redaktionell verdienten Links sollten Sie darauf verzichten: Eine Änderungsbitte an einen Journalisten wirkt unangenehm und kann den Link ganz kosten. Erfahrungsgemäß lässt sich etwa ein Drittel der problematischen Anker tatsächlich noch ändern.
Zählt der Alt-Text eines verlinkten Bildes wirklich als Ankertext?
Ja. Wenn ein Bild als Link eingebunden ist und keinen Textanker hat, wertet Google das Alt-Attribut als Ankertext. Das ist bei Infografiken, Logo-Einbindungen und Partnerlisten relevant, weil ein selbst vorgegebener Einbettungscode auf diesem Weg eine große Zahl identischer Anker erzeugen kann.
Muss ich für interne Links dieselbe Verteilung einhalten?
Nein. Interne Ankertexte sollen beschreibend und präzise sein, weil sie Navigation und keine Empfehlung darstellen. Verwenden Sie ruhig den Begriff, für den die Zielseite ranken soll – achten Sie nur darauf, nicht zwei unterschiedliche Seiten mit demselben Ankertext zu verlinken.
Wie sehe ich, welche Ankertexte Google von meiner Seite kennt?
In der Google Search Console unter „Links“ im Bereich „Externe Links“ bei den Top-Linktexten. Die Liste ist gekappt und nennt keine Domainzahlen, ist aber die einzige Quelle direkt aus Googles Index. Für Prozentrechnungen kombinieren Sie sie mit dem Ankertext-Bericht eines Backlink-Tools.
Bringt ein exakter Keyword-Anker heute überhaupt noch Rankings?
Als Relevanzsignal wirkt er weiterhin, als Hebel praktisch nicht mehr. Seit Penguin im Kernalgorithmus arbeitet, werden auffällige Muster überwiegend entwertet, statt gewichtet zu werden. Der Ertrag des zwanzigsten identischen Keyword-Ankers liegt bei null, das Risiko dagegen nicht.
Fazit
Der Ankertext ist das Merkmal, an dem sich Linkkauf am schnellsten erkennen lässt – und gleichzeitig dasjenige, an dem am wenigsten zu gewinnen ist. Diese Asymmetrie ist der ganze Punkt: Sie können mit optimierten Ankern kaum noch Rankings kaufen, aber Sie können sich damit ein Muster einhandeln, das jahrelang im Profil sichtbar bleibt.
Unsere Empfehlung: Machen Sie den Markennamen zum Standardanker, überall dort, wo Sie den Text beeinflussen. Halten Sie exakte Money-Keywords unter fünf Prozent Ihrer verweisenden Domains und prüfen Sie diesen Wert zusätzlich für Ihre drei wichtigsten Zielseiten. Wenn Sie heute bei 30 Prozent liegen, ändern Sie zuerst die Anker, die Sie noch ändern können, und verdünnen Sie danach – mit dem Ziel Trendumkehr, nicht mit dem Ziel Zielprozentwert. Intern dagegen dürfen Sie so präzise beschriften, wie Sie wollen.
Weiterlesen: Wie Links überhaupt wirken und welche Merkmale ihren Wert bestimmen, klärt unser Grundlagen-Guide Was sind Backlinks?. Konkrete Wege zu neuen Domains mit natürlichen Ankern liefern die 12 Strategien zum Backlinkaufbau. Und wer prüfen will, ob hinter auffälligen Ankern ein tieferliegendes Problem steckt, findet den Prozess im Beitrag zu toxischen Backlinks und Backlink-Audits.
