„Ein passender Link auf einem echten Fachportal wirkt mehr als zwanzig beliebige“
Linkbuilding wird seit Jahren totgesagt – erst wegen der Spam-Updates, zuletzt wegen der KI-Suche. Wer täglich damit arbeitet, sieht ein anderes Bild. Zum Auftakt unserer Interview-Reihe haben wir mit Stephan Zabel gesprochen: über den Unterschied zwischen einem Link und einem wirksamen Link, über die Rolle von Ankertext und Zielseite, und darüber, warum ausgerechnet die KI-Suche den Wert guter Fachportale erhöht hat.
Der Gesprächspartner
Stephan Zabel ist Geschäftsführer der Stephan Zabel GmbH in Nürnberg und arbeitet als Berater für SEO, Generative Engine Optimization und Performance-Marketing. Linkaufbau ist bei ihm kein eigenes Produkt, sondern Teil einer Sichtbarkeitsstrategie für Google und KI-Suche. Website: stephanzabel.de
Transparenzhinweis: Die Stephan Zabel GmbH betreibt Linkship. Dieses Interview steht als Auftakt der Reihe hier, weil es die redaktionelle Linie des Magazins beschreibt – es ist nicht gesponsert, und für die Aufnahme in die Reihe gilt für alle Befragten derselbe Maßstab.
Herr Zabel, viele halten Linkbuilding inzwischen für erledigt. Sie nicht?
Nein, und ich sehe das ziemlich eindeutig. Linkbuilding ist nach wie vor eine der wirksamsten Maßnahmen, die man im Offpage-Bereich hat. Was sich geändert hat, ist die Trefferquote: Früher hat Masse noch etwas bewegt, heute bewegt fast nur noch Passgenauigkeit etwas. Das führt dazu, dass viele Unternehmen sagen „Linkbuilding funktioniert nicht mehr“, obwohl sie in Wahrheit sagen müssten: „Unsere Art, Links einzukaufen, funktioniert nicht mehr.“ Das ist ein großer Unterschied.
Wenn ich einen Link auf einem echten Fachportal bekomme, im richtigen inhaltlichen Zusammenhang, mit einem Ankertext, der zur Zielseite passt – dann wirkt dieser eine Link mehr als zwanzig beliebige Platzierungen. Das ist der Kern.
Was macht denn einen Link wirksam? Woran machen Sie das fest?
An drei Dingen, und die müssen zusammenkommen. Erstens die Quelle: Steht der Link auf einem Portal, das in seiner Branche wirklich gelesen wird, das eine Redaktion hat und eigene Themen setzt? Oder auf einer Seite, die im Grunde nur existiert, um Beiträge zu veröffentlichen? Das merkt man beim ersten Blick auf die Startseite, und es lässt sich mit Kennzahlen belegen.
Zweitens die Zielseite. Ein Link auf die Startseite ist bequem, aber selten das, was der Seite hilft. Wenn der verlinkende Beitrag von einem konkreten Thema handelt, muss der Link auch auf die Seite zeigen, die genau dieses Thema behandelt. Viele lassen hier Wirkung liegen, weil im Freigabeprozess am Ende immer die Startseite steht.
Und drittens der Ankertext. Er muss semantisch zur Zielseite passen – nicht als exakte Keyword-Kopie, sondern so, wie ein Redakteur es formulieren würde, der das Thema kennt. Wenn Quelle, Zielseite und Ankertext eine gemeinsame Linie haben, ist das für eine Suchmaschine ein klares Signal. Wenn eines der drei nicht passt, bleibt der Link Dekoration.
Sie beschäftigen sich viel mit KI-Suche. Ist Linkbuilding dort nicht überflüssig, wenn ohnehin die Erwähnung zählt?
Im Gegenteil, da ist gerade einer der stärksten Hebel entstanden. Für die Sichtbarkeit in KI-Antworten zählt die Erwähnung in einer Quelle, der das System vertraut. Und die entscheidende Frage ist damit nicht mehr nur „Ist die Domain stark?“, sondern „Wird diese Seite von den KI-Systemen bei meinen Themen tatsächlich herangezogen?“
Das ist eine Frage, die man beantworten kann. Man stellt die Fragen, die die eigene Zielgruppe stellt, und schaut sich an, welche Quellen in den Antworten auftauchen und zitiert werden. Da bilden sich sehr schnell Muster: Es sind meistens dieselben Fachportale, Verbandsmedien und Vergleichsseiten. Wenn ich es schaffe, dort mit einem Beitrag präsent zu sein, habe ich zwei Dinge gleichzeitig – den Link für die klassische Suche und die Erwähnung, die in KI-Antworten eine hohe Relevanz hat.
Deshalb sortiere ich Linkquellen heute anders als vor drei Jahren. Ein Portal, das von KI-Systemen regelmäßig als Quelle benutzt wird, ist für mich wertvoller als eine Seite mit besseren Kennzahlen, die in keiner Antwort vorkommt.
Wann sehen Sie, dass es wirkt?
Spürbar wird es, wenn mehrere gute Platzierungen zusammenkommen, die alle in dieselbe thematische Richtung zeigen. Ein einzelner Link aus einem Branchenmedium bewegt selten etwas, das man sauber zuordnen kann. Aber wenn über einige Monate eine Reihe hochwertiger, thematisch passender Backlinks von Branchenseiten dazukommt, sieht man die Sichtbarkeit deutlich steigen – und zwar nicht nur bei dem einen Keyword, auf das man gezielt hat, sondern im ganzen Themenumfeld.
Genau das ist der Punkt, den Einzelbetrachtungen verfehlen. Die Wirkung entsteht aus der Summe und aus der Konsistenz: gleiche Themenwelt, passende Zielseiten, natürlich variierende Ankertexte. Wer das über einen längeren Zeitraum durchhält, sieht es in den Rankings und mittlerweile eben auch darin, wie oft die eigene Marke in KI-Antworten überhaupt vorkommt.
Was raten Sie jemandem, der damit anfängt?
Authentisch bleiben – und das meine ich nicht als Floskel, sondern als Arbeitsanweisung. Ein Link sollte entstehen, weil der Beitrag den Lesern dieses Mediums etwas bringt. Wenn ich einen Fachbeitrag schreibe, den die Redaktion auch ohne Link genommen hätte, dann stimmt alles: Der Link steht im Kontext, der Ankertext ergibt sich aus dem Text, und niemand muss etwas kaschieren.
Umgekehrt gilt: Wenn ich mir eine Konstruktion ausdenken muss, damit ein Link plausibel wirkt, ist er meistens schon der falsche. Das ist übrigens auch der ehrlichere Umgang mit dem eigenen Budget. Lieber vier Platzierungen im Jahr, die wirklich sitzen, als vierzig, die man in zwei Jahren mühsam wieder aussortiert.
Drei Punkte zum Mitnehmen
- Passgenauigkeit schlägt Menge. Quelle, Zielseite und Ankertext müssen eine gemeinsame Linie haben – fehlt eines davon, bleibt die Wirkung aus.
- Prüfen, welche Quellen die KI benutzt. Portale, die in KI-Antworten regelmäßig zitiert werden, liefern Link und Markenerwähnung in einem.
- Konsistenz über Zeit. Sichtbarkeit steigt sichtbar, wenn über Monate mehrere passende Platzierungen aus derselben Themenwelt zusammenkommen.
Weiterlesen
- Ankertext: Der richtige Mix – wie sich Ankertexte auf Zielseiten abstimmen lassen, ohne ein Muster zu erzeugen.
- GEO-Optimierung und Brand Mentions – was KI-Suche von Linkbuilding unterscheidet und wo sich beides trifft.
- Backlinks bewerten – das Punktesystem, mit dem sich eine Linkquelle vor der Zusage prüfen lässt.
- Fachmagazine im Verzeichnis – über 440 deutschsprachige Fachmedien mit Angaben zu Gastbeiträgen und Kennzahlen.
Sie verantworten Linkbuilding, Digital PR oder GEO in der Praxis und möchten über ein konkretes Projekt sprechen? Schreiben Sie an email@stephanzabel.com – wie die Reihe entsteht, steht in der Rubrik Experteninterviews.
