HARO-Alternativen: Expertenplattformen für den deutschsprachigen Raum
Eine Redakteurin braucht bis 15 Uhr jemanden, der erklärt, warum Wärmepumpen im Altbau anders geplant werden müssen als im Neubau. Sie verschickt keine Rundmail an Pressestellen, sondern stellt die Frage in einen Anfrage-Dienst, der sie an registrierte Fachleute verteilt. Wer bis 14 Uhr eine brauchbare Antwort schickt, steht am nächsten Tag im Text – mit Namen, manchmal mit Link.
Das bekannteste Vorbild für solche Dienste ist HARO, kurz für „Help a Reporter Out“. HARO wurde 2024 eingestellt, 2025 verkauft und verschickt heute wieder Anfragen – auf Englisch. Für deutschsprachige Medienanfragen ist die Lage unübersichtlicher: Einige oft empfohlene Dienste gibt es nicht mehr, andere stehen nur Forschungseinrichtungen oder Verbandsmitgliedern offen.
Wir haben am 25. Oktober 2026 elf Dienste geprüft: Website, Kosten, Sprache, Funktionsweise. Dieser Guide zeigt das Ergebnis, sagt, für wen sich welcher Weg lohnt, und beschreibt den Antwortprozess vom Eingang der Anfrage bis zur Nennung. Wie Sie aktuelle Nachrichten selbst besetzen, steht im Beitrag Newsjacking und Expertenanfragen; hier geht es um die Anfragen, die zu Ihnen kommen.
Kurz & knapp
- Expertenplattformen verteilen Anfragen von Journalisten an registrierte Fachleute. Anders als bei der Pressemitteilung fragt hier die Redaktion – das Unternehmen liefert nur die passende Antwort.
- HARO („Help a Reporter Out“) startete 2008, wurde 2024 von Cision in Connectively umbenannt, am 9. Dezember 2024 eingestellt und im April 2025 an Featured.com verkauft. Heute verschickt HARO wieder kostenlose Medienanfragen, allerdings auf Englisch.
- In einer Linkship-Prüfung von elf Diensten am 25. Oktober 2026 war Recherchescout der einzige offene kommerzielle Anfrage-Dienst für den deutschsprachigen Raum: Basis-Zugang kostenlos, Business-Tarif ab 79 Euro im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer.
- Forschungsnahe Unternehmen erhalten Journalistenanfragen über den idw-Expertenmakler. Die Mitgliedschaft im Informationsdienst Wissenschaft kostet Wirtschaftsunternehmen 1.145 Euro im Jahr und setzt Forschung oder Technologietransfer voraus.
- Das Risiko von Expertenplattformen ist gering, weil die Redaktion selbst entscheidet, ob und wie sie zitiert und verlinkt. Problematisch sind Angebote, die „HARO-Links“ gegen Geld garantieren, und massenhaft verschickte KI-Antworten.
- Für die Sichtbarkeit in KI-Suchen zählt schon das Zitat: Eine Nennung mit Name und Fachaussage in einem Fachmedium wirkt auch ohne Link.
Was Expertenplattformen sind – und was sie von Pressearbeit unterscheidet
Eine Expertenplattform, auch Anfrage-Dienst oder Journalist-Request-Service genannt, dreht die Richtung der klassischen Pressearbeit um. Journalistinnen und Journalisten beschreiben, was sie suchen: eine Einschätzung, eine Zahl, ein Fallbeispiel, einen Gesprächspartner. Die Plattform verteilt die Anfrage nach Themengebiet, und wer etwas beitragen kann, meldet sich innerhalb der genannten Frist.
In unserer Prüfung tauchen drei Bauformen auf, die sich im Alltag deutlich unterscheiden:
- Anfrage-Verteiler: Die Anfrage geht per E-Mail an alle, die das Thema abonniert haben, Sie antworten direkt der Redaktion. Beispiele: HARO, Source of Sources, Recherchescout.
- Pitch-Marktplätze: Sie legen ein Profil an und antworten über die Plattform, die Zahl der Antworten hängt am Tarif. Beispiele: Qwoted, Featured.
- Vermittlung über Pressestellen: Die Anfrage landet bei der Pressestelle einer Mitgliedseinrichtung, nicht bei Ihnen persönlich. Beispiele: der idw-Expertenmakler und die Expertendienste von Fachgesellschaften.
Die Abgrenzung zu zwei Nachbarthemen ist wichtig. Presseverteiler und Presseportale arbeiten in die umgekehrte Richtung: Sie senden, die Redaktion entscheidet, ob sie etwas damit anfängt – mehr dazu im Vergleich der Presseverteiler. Beim Newsjacking erkennen Sie den Anlass selbst. Bei einer Expertenplattform ist der Bedarf dagegen schon benannt und die Frist gesetzt; Ihre Aufgabe ist nur noch, schnell und passend zu liefern.
Das Ergebnis ist meistens ein Zitat mit Name, Funktion und Firma, gelegentlich ein Link. Für Linkbuilding, das Ranking-Signale braucht, ist das ein unsicherer Ertrag. Für GEO, also die Sichtbarkeit in KI-Antworten von ChatGPT, Perplexity oder Googles KI-Übersichten, zählt schon die Nennung. Und ein Zitat belegt genau das, was Google unter Erfahrung und Expertise versteht – warum das für Ihr Linkprofil zählt, erklärt E-E-A-T und Backlinks.
Was aus HARO geworden ist
HARO startete 2008 als Dienst, über den Journalisten Fachleute als Quellen für ihre Geschichten fanden. Mit der Fusion von Vocus und Cision kam der Dienst 2014 zu Cision. 2024 benannte Cision ihn in Connectively um. Seit dem 9. Dezember 2024 ist Connectively nach eigener Mitteilung „dauerhaft eingestellt“ (Cision: Connectively has been discontinued).
Am 15. April 2025 gab Cision den Verkauf von HARO an Featured.com bekannt (Cision-Mitteilung zum Verkauf). Seitdem läuft der Dienst wieder unter dem alten Namen. Am 25. Oktober 2026 bot die HARO-Website ein kostenloses Abonnement täglicher Medienanfragen an, in der Fußzeile steht „Powered by Featured“. Featured selbst ist ein KI-gestützter PR-Assistent mit Bezahltarifen, der Journalistenanfragen aus HARO, LinkedIn und weiteren Quellen bündelt.
Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum heißt das: HARO funktioniert wieder, ist aber ein englischsprachiger Kanal. Wer in englischsprachigen Fach- und Wirtschaftsmedien zitiert werden will, kann ihn nutzen. Wer Kunden in Deutschland, Österreich oder der Schweiz erreichen will, braucht andere Wege.
Randnotiz aus unserer Keyword-Prüfung: „haro“ wird in Deutschland laut DataForSEO rund 3.600-mal im Monat gesucht – gemeint ist fast nie der Journalisten-Dienst. Die erste Ergebnisseite zeigte am 25. Oktober 2026 einen Parketthersteller, eine spanische Kleinstadt, einen Fördertechnik-Hersteller und eine Fahrradmarke. „help a reporter out“ kommt auf 170 Suchen im Monat, „qwoted“ auf 140, „haro alternative“ auf 10. Die Nachfrage nach dem Thema ist hierzulande klein, die Konkurrenz um deutschsprachige Anfragen entsprechend auch.
Elf Dienste im Vergleich: Stand Oktober 2026
Für die folgende Übersicht haben wir am 25. Oktober 2026 die Website jedes Dienstes aufgerufen, Preisseite und Funktionsbeschreibung gelesen und den technischen Status geprüft. Die Kosten sind die Angaben der Anbieter, Dollar-Preise zuzüglich Steuern. Eine Rangfolge gibt es bewusst nicht: Welcher Dienst passt, hängt an Sprache, Branche und Organisationsform.
| Dienst | Sprache / Markt | Kosten laut Website | Funktionsweise | Stand 25.10.2026 |
|---|---|---|---|---|
| HARO | Englisch, international | Anfrage-Abo kostenlos | tägliche Anfragen per E-Mail, Antwort direkt an die Redaktion | aktiv, seit 2025 bei Featured.com |
| Featured | Englisch | Free 0 $, Lite 39 $, Pro 99 $, Pro+ 299 $ pro Monat | KI-Assistent bündelt Anfragen aus HARO, LinkedIn u. a. und hilft beim Pitch | aktiv |
| Qwoted | Englisch | Basic 0 $ (2 Pitches/Monat), Pro 149 $ pro Monat (35 Pitches), Teams auf Anfrage | Profil in Expertendatenbank, Antworten über die Plattform | aktiv |
| Source of Sources | Englisch | kostenlos | bis zu drei E-Mails täglich, Antwort direkt an die Redaktion | aktiv |
| Recherchescout | Deutsch, DACH | Basic 0 €, Business ab 79 €, Pro ab 158 €, Nonprofit ab 39 € pro Monat zzgl. MwSt. | Anfragen nach 32 Themengebieten, mit Kontaktdaten der Redaktion | online, Blog seit 2017 ruhend |
| idw-Expertenmakler | Deutsch, Wissenschaft | idw-Mitgliedschaft, für Wirtschaftsunternehmen 1.145 € pro Jahr | Redaktion fragt per Formular, idw leitet an die Pressestellen der Mitglieder weiter | aktiv, nur für Forschung und Transfer |
| Fachgesellschaften und Verbände (Beispiel: DGPs) | Deutsch | Mitgliedschaft im Verband | Pressestelle oder Datenbank vermittelt Fachleute aus der Mitgliedschaft | aktiv |
| #JournoRequest und Aufrufe in sozialen Netzwerken | überwiegend Englisch | kostenlos | Redaktionen posten Suchaufrufe, Sie antworten direkt | etabliert |
| Connectively | Englisch | – | HARO-Nachfolger bei Cision | eingestellt am 9.12.2024 |
| InterviewPartner.org | Deutsch | 2017: 8 € je beantworteter Anfrage | Expertenprofile für Journalisten | nicht erreichbar, Domain geparkt |
| ResponseSource Deutschland | Deutsch | 2017: kostenfrei | Anfrage-Verteiler | deutsche Domain steht zum Verkauf |
Zwei Befunde fallen auf. Erstens die Vergänglichkeit: Das Lokaljournalisten-Portal drehscheibe.org empfahl im Dezember 2017 vier Dienste für die Expertensuche. Zwei davon, InterviewPartner.org und der deutsche Ableger von ResponseSource, sind heute nicht mehr erreichbar. Wer eine ältere Liste mit „HARO-Alternativen“ abarbeitet, landet schnell auf Parkseiten.
Zweitens die Lücke im deutschsprachigen Markt. Recherchescout ist in unserer Prüfung der einzige offene kommerzielle Dienst mit Schwerpunkt DACH; der Anbieter spricht von mehr als 2.000 registrierten Journalisten, überprüfen lässt sich das von außen nicht. Die Preise auf der Tarifseite entsprechen denen von 2017, die letzte Blogmeldung stammt ebenfalls aus 2017. Unsere Empfehlung: Testen Sie den kostenlosen Basis-Zugang vier Wochen lang, bevor Sie einen Bezahltarif buchen.
Die Expertendienste von Verbänden und Fachgesellschaften stehen in keiner Plattform-Liste, sind aber für viele Mittelständler der naheliegendste deutschsprachige Weg: Die Pressestelle Ihres Verbands bekommt Anfragen, die sie an Mitglieder weiterreichen kann. Wie Sie Verbände und Kammern grundsätzlich für Ihr Linkprofil nutzen, steht im Beitrag Links von Verbänden und Kammern.
Wann sich Expertenplattformen lohnen – und wann nicht
Im Gesamtbild der Strategien für den Linkaufbau gehören Expertenplattformen zu den Wegen, die Aufmerksamkeit erzeugen. Sie sind kein Linklieferant mit fester Stückzahl. Ob sich der Aufwand lohnt, entscheiden vier Voraussetzungen:
- Echte Fachkompetenz in einem benennbaren Thema. „Digitalisierung“ ist kein Thema, „Wartungsverträge für Industriekältetechnik“ schon. Je enger, desto eher sind Sie die richtige Quelle.
- Reaktion in Stunden. Jemand muss Anfragen täglich sichten und eine Antwort am selben Tag freigeben können. Fristen von wenigen Stunden sind üblich.
- Eigene Substanz. Zahlen aus dem eigenen Betrieb, Erfahrungen aus Projekten, ein klarer Standpunkt. Allgemeinwissen liefert die Redaktion selbst.
- Passende Zielgruppe der Medien. Ein Zitat in einem Verbrauchermagazin hilft einem B2B-Zulieferer wenig, eines in der Fachpresse seiner Kunden viel.
Nicht lohnend ist der Weg, wenn Sie eine feste Zahl an Links pro Monat brauchen, wenn jede Aussage durch drei Abteilungen muss oder wenn Ihr Markt ausschließlich deutschsprachig ist und Sie trotzdem nur HARO abonnieren. Englischsprachige Dienste sind für Exporteure, Software-Anbieter mit internationalem Markt und Forschende interessant – für einen regionalen Handwerksbetrieb eher nicht.
Daraus ergibt sich eine einfache Zuordnung: Unternehmen mit Kunden im DACH-Raum testen Recherchescout und sprechen mit der Pressestelle ihres Verbands. Forschungsnahe Unternehmen prüfen die idw-Mitgliedschaft. Wer international verkauft, ergänzt HARO, Source of Sources und den kostenlosen Qwoted-Zugang.
Wer den Prozess nicht selbst aufbauen will, kann ihn auslagern. In unserer Erfassung führen 138 von 415 Anbietern Digital PR als Methode, 40 sind als Digital-PR-Agenturen eingeordnet (Stand 25. Oktober 2026). Fragen Sie konkret, welche Anfrage-Dienste die Agentur nutzt und wer die Antworten fachlich verantwortet.
Schritt für Schritt: von der Anfrage zur Nennung
Der Antwortprozess entscheidet mehr als die Wahl der Plattform. Sieben Schritte haben sich bewährt:
- Zuständigkeit und Freigabe vorab klären. Wer sichtet, wer antwortet, wer gibt frei – und für welche Themen darf ohne Rücksprache geantwortet werden. Ohne diese Regel scheitert jede Antwort an der Frist.
- Eine Expertenseite auf der eigenen Website anlegen. Name, Funktion, zwei Sätze zur Qualifikation, Foto, Themen. Das ist die Adresse, die in jede Antwort gehört und auf die eine Redaktion verlinken kann.
- Profil und Themen eng wählen. Bei Recherchescout umfasst der kostenlose Zugang ein Themengebiet. Nehmen Sie das, in dem Sie am häufigsten etwas Eigenes sagen können, nicht das größte.
- In zehn Minuten sortieren. Drei Fragen je Anfrage: Passt das Thema genau? Schaffen wir die Frist? Haben wir etwas, das andere nicht haben? Zweimal Nein heißt: weiter zur nächsten Anfrage.
- Antworten, als wäre es der fertige Absatz. Kernaussage zuerst, zitierfähig, mit Beleg. Redaktionen übernehmen eher, was sie kaum umschreiben müssen.
- Nennung erfassen und einmal nachfragen. Erscheint das Zitat ohne Link, ist eine kurze, freundliche Bitte vertretbar – mehr nicht. Wie das geht, zeigt der Beitrag zu unverlinkten Markennennungen.
- Kontakt pflegen, nicht bespielen. Notieren Sie Redaktion, Thema und Ergebnis. Wer einmal gut geliefert hat, wird beim nächsten Mal direkt gefragt. Unaufgeforderte Werbemails an diese Kontakte sind dagegen tabu; die Rechtslage erklärt Outreach-Mails und deutsches Recht.
So sieht eine brauchbare Antwort aus
Ein Muster mit Platzhaltern, kein Textbaustein. Die Inhalte in eckigen Klammern müssen aus Ihrem Haus kommen:
Betreff: Ihre Anfrage „[Thema]“ – [Kernaussage in fünf Wörtern]
Guten Tag [Name],
zu Ihrer Frage nach [Thema]: [Kernaussage in zwei Sätzen, zitierfähig].
Grundlage: [eigene Zahl, Zahl der Projekte oder Erfahrung mit Zeitraum].
Für Rückfragen bin ich heute bis [Uhrzeit] unter [Telefon] erreichbar.
[Vorname Nachname], [Funktion], [Firma]
[ein Satz zur Qualifikation]
[Adresse Ihrer Expertenseite]
Was bewusst fehlt: Firmenvorstellung, Werbesprache, Anhänge und die Bitte um einen Link. Die Adresse in der Signatur genügt. Plattformen wie Featured bieten KI-Entwürfe an; nutzen Sie sie höchstens als Rohfassung. Redaktionen suchen Erfahrung, die eine KI nicht hat, und Source of Sources schließt Absender von unpassenden oder Spam-Antworten nach eigenen Regeln aus.
Ein Detail zu Qwoted: Im kostenlosen Basic-Tarif erscheinen Anfragen laut Tarifübersicht mit zwei Stunden Verzögerung, und es sind zwei Pitches im Monat enthalten. Bei kurzen Fristen ist das ein echter Nachteil – zum Testen reicht es.
Aufwand und Kosten
Die Gebühren sind bei diesem Weg der kleinere Posten. Teuer ist die Zeit von Menschen, die fachlich etwas zu sagen haben. Die Zeitangaben in der Tabelle sind Erfahrungswerte, die Kosten Angaben der Anbieter vom 25. Oktober 2026.
| Posten | Zeit oder Kosten | Hinweis |
|---|---|---|
| Einrichtung: Expertenseite, Profile, Freigaberegel | 4 bis 6 Stunden einmalig | Erfahrungswert |
| Anfragen sichten | 10 bis 15 Minuten pro Arbeitstag | Erfahrungswert |
| Antwort schreiben und freigeben | 30 bis 60 Minuten je Antwort | Erfahrungswert |
| HARO, Source of Sources | 0 € | englischsprachig |
| Recherchescout | 0 € bis ab 158 € pro Monat zzgl. MwSt. | Business ab 79 € für bis zu 5 Themengebiete |
| Qwoted | 0 $ bis 149 $ pro Monat | Teams-Tarif auf Anfrage |
| Featured (Einzelnutzer) | 0 $ bis 299 $ pro Monat | bei Jahreszahlung günstiger |
| idw-Mitgliedschaft | 1.145 € pro Jahr | nur mit Forschung oder Technologietransfer |
Ein Sonderfall ist die idw-Mitgliedschaft. Sie steht laut Mitgliedschaftsbedingungen nur Einrichtungen offen, die nachweislich in Forschung, Lehre, Forschungsförderung, Wissenschaftspolitik oder Technologietransfer tätig sind und eine eigene Pressearbeit betreiben. Werbliche Inhalte sind ausgeschlossen. Für ein Unternehmen mit Entwicklungsabteilung kann sich das trotzdem lohnen, weil Mitglieder neben dem Expertenmakler auch Pressemitteilungen über den idw veröffentlichen.
Risiko-Ampel: grün
Expertenplattformen gehören zu den risikoärmsten Wegen zu Erwähnungen und Links. Der Grund ist einfach: Die Redaktion entscheidet, ob sie Sie zitiert, wie sie Sie nennt und ob sie verlinkt. Die Gebühr zahlen Sie für den Zugang zu Anfragen, nicht an das Medium für eine Veröffentlichung.
Googles Spam-Richtlinien zählen den Kauf und Verkauf von Links zu Ranking-Zwecken zu Link-Spam (Google: Richtlinien zu Spam, Abschnitt Link-Spam). Ein Link, den eine Redaktion nach einem Expertenzitat aus eigenem Antrieb setzt, ist genau das Gegenteil. Ein Werbehinweis ist dann nach unserer Einordnung nicht nötig, weil keine Gegenleistung an das Medium fließt – das ist keine Rechtsberatung.
Drei Stellen, an denen es gelb wird
- „HARO-Links“ zum Festpreis. Wer eine Platzierung in einem bestimmten Medium garantiert, hat sie nicht über eine offene Anfrage gewonnen. Fließt Geld für die Veröffentlichung, gelten die Regeln für bezahlte Links und Werbekennzeichnung – mehr dazu in Ist Backlinks kaufen erlaubt?.
- Massenantworten und KI-Texte. Wer jede Anfrage mit einem generischen Text bedient, fliegt von Plattformen und landet bei Redaktionen auf der inneren Sperrliste. Der Schaden ist nicht juristisch, sondern einer für den Ruf.
- Ungeprüfte Aussagen und fremde Daten. Ein Zitat steht dauerhaft im Netz. Falsche Zahlen, nicht freigegebene Aussagen oder Kundenbeispiele ohne Einwilligung kosten mehr, als die Nennung bringt.
Rot wird es erst, wenn aus der Expertenanfrage verdeckt ein Kauf wird. Dann handelt es sich nicht mehr um ein Zitat, sondern um eine bezahlte Platzierung, die gekennzeichnet werden muss.
Beispiel aus dem DACH-Markt: ein Jahr mit zwei deutschen Kanälen
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Ein Hersteller von Messtechnik aus Mittelfranken mit 180 Beschäftigten, eigener Entwicklungsabteilung und Forschungskooperationen mit einer Hochschule. Er bucht Recherchescout Business für fünf Themengebiete und wird Mitglied im idw, weil er Technologietransfer betreibt. Eine Ingenieurin sichtet die Anfragen, die Leiterin Marketing gibt frei.
| Posten | Annahme | Jahreswert |
|---|---|---|
| Recherchescout Business | 79 € pro Monat zzgl. MwSt. | 948 € |
| idw-Mitgliedschaft | Beitrag für Wirtschaftsunternehmen | 1.145 € |
| Sichtung | 15 Minuten an 220 Arbeitstagen | 55 Stunden |
| Antworten | 4 pro Monat à 45 Minuten | 36 Stunden |
| Interne Zeit | 91 Stunden à 70 € | 6.370 € |
| Summe | 8.463 € |
Aus 48 Antworten im Jahr werden bei einer angenommenen Trefferquote von 15 Prozent rund sieben Zitate. Die Quote ist ein Erfahrungswert und schwankt je nach Thema stark. Verlinkt die Hälfte der Medien, bleiben drei bis vier Links. Rechnerisch kostet damit eine Nennung rund 1.200 Euro und bei dreieinhalb Links im Schnitt ein Link rund 2.400 Euro.
Zum Vergleich: Der Median-Preis für einen bezahlten Online-Artikel in einem Fachmagazin liegt laut Linkpreis-Index DACH bei 1.935 Euro netto, und dieser Link gehört als bezahlter Link auf rel="sponsored". Das Expertenzitat ist pro Link also nicht billiger. Es liefert aber etwas anderes: eine redaktionelle Nennung als Fachquelle, die nicht als Werbung markiert ist und die für die Sichtbarkeit in KI-Antworten auch ohne Link zählt.
Die Rechnung kippt im zweiten Jahr. Redaktionen, die einmal gute Antworten bekommen haben, fragen direkt an, ohne Plattform und ohne Konkurrenz durch andere Antwortende. Steigt die Trefferquote auf 25 Prozent, sinken die Kosten je Nennung bei gleichem Aufwand auf rund 700 Euro.
Was das für Sie konkret heißt
Legen Sie heute einen kostenlosen Recherchescout-Zugang für Ihr stärkstes Themengebiet an. Wenn Sie international verkaufen, abonnieren Sie zusätzlich HARO oder Source of Sources. Zählen Sie vier Wochen lang zwei Zahlen: Wie viele Anfragen passten wirklich, und wie viele hätten Sie in der Frist beantworten können?
Bauen Sie parallel die Expertenseite auf Ihrer Website und fragen Sie die Pressestelle Ihres Verbands, ob sie Journalistenanfragen an Mitglieder weitergibt. Erst nach den vier Wochen entscheiden Sie über einen Bezahltarif oder eine idw-Mitgliedschaft – mit echten Zahlen statt mit Hoffnung.
Was das nicht leistet
Unsere Übersicht ist eine Momentaufnahme vom 25. Oktober 2026. Wir haben öffentlich sichtbare Seiten gelesen, nicht die Zahl oder Qualität der Anfragen gemessen, die über die Dienste tatsächlich laufen. Anbieterangaben wie die Zahl registrierter Journalisten lassen sich von außen nicht prüfen. Preise und Tarife ändern sich, englischsprachige Anbieter passen sie erfahrungsgemäß häufiger an als deutsche.
Kein Dienst garantiert eine Veröffentlichung oder einen Link. Ob eine Redaktion verlinkt, entscheidet sie allein, und viele Medien verlinken in Zitaten grundsätzlich nicht. Die Trefferquoten im Rechenbeispiel sind Annahmen. Wer feste Linkzahlen planen muss, braucht zusätzlich andere Wege.
Häufige Fragen
Gibt es HARO noch?
Ja. Cision hat HARO 2024 in Connectively umbenannt und am 9. Dezember 2024 eingestellt. Im April 2025 wurde der Dienst an Featured.com verkauft und unter dem alten Namen neu gestartet. Am 25. Oktober 2026 bot HARO ein kostenloses Abonnement täglicher Medienanfragen an, auf Englisch.
Gibt es ein deutsches HARO?
Ein Gegenstück mit gleicher Bekanntheit nicht. Der einzige offene kommerzielle Anfrage-Dienst mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum war in unserer Prüfung Recherchescout. Dazu kommen der idw-Expertenmakler für forschungsnahe Einrichtungen und die Expertendienste von Verbänden und Fachgesellschaften.
Was kostet Recherchescout?
Laut Tarifseite gibt es einen kostenlosen Basic-Zugang mit einem Themengebiet. Der Business-Tarif kostet ab 79 Euro im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer für bis zu fünf Themengebiete, Pro ab 158 Euro und Nonprofit ab 39 Euro (Stand 25. Oktober 2026).
Bringen Expertenanfragen Backlinks?
Manchmal. Das sichere Ergebnis ist ein Zitat mit Name und Firma, ein Link ist die Entscheidung der Redaktion. Fehlt er, ist eine einmalige, freundliche Nachfrage vertretbar; wie das geht, zeigt der Beitrag zu unverlinkten Markennennungen.
Muss ein Zitat aus einer Expertenanfrage als Werbung gekennzeichnet werden?
Nach unserer Einordnung nicht, solange kein Geld und keine andere Gegenleistung an das Medium fließt. Die Gebühr für eine Plattform bezahlt den Zugang zu Anfragen, nicht die Veröffentlichung. Wer dagegen für eine garantierte Platzierung zahlt, kauft Werbung, die gekennzeichnet werden muss. Das ist keine Rechtsberatung.
Darf ich Antworten mit KI schreiben?
Als Entwurf ja, als fertige Antwort besser nicht. Redaktionen suchen eigene Erfahrung, Zahlen und einen Standpunkt, den eine KI nicht liefern kann. Einige Dienste schließen Absender aus, die unpassende oder massenhafte Antworten schicken.
