PBN: Was private Blognetzwerke sind und warum sie auffliegen
Wer in Deutschland „PBN“ bei Google eingibt, landet bei Proteinpulver, Flugnavigation und einem Musikproduzenten. In unserer Abfrage vom 25. Oktober 2026 handelte keiner der acht organischen Treffer auf der ersten Ergebnisseite von SEO. Im Linkhandel meint die Abkürzung etwas anderes: Private Blog Network, ein privates Blognetzwerk.
Gemeint ist ein Netz scheinbar unabhängiger Websites, die ein Betreiber kontrolliert und die vor allem einem Zweck dienen: Links mit Ranking-Wirkung weiterzugeben. Verkauft wird das selten unter diesem Namen, sondern als „Premium-Blogs“, „Autoritätsseiten“ oder „Magazin-Paket“.
Dieser Beitrag erklärt, wie solche Netzwerke funktionieren und warum sie sich trotzdem verkaufen. Er rechnet die Wirtschaftlichkeit mit offen gelegten Annahmen durch, ordnet das Risiko ein – Ampel Rot, bei Google wie im Wettbewerbsrecht – und beantwortet eine praktische Frage: Woran erkennen Sie ein PBN-Angebot, bevor Sie zahlen?
Kurz & knapp
- Ein PBN (Private Blog Network) ist ein Netz von Websites unter gemeinsamer Kontrolle, das unabhängig wirken soll und vor allem Links mit Ranking-Wirkung weitergibt – meist aufgebaut auf abgelaufenen Domains mit altem Linkprofil.
- Google nennt PBNs in seinen Spam-Richtlinien nicht beim Namen, erfasst aber ihre Bausteine: gekaufte und verkaufte Links, minderwertige Inhalte zur Manipulation von Linksignalen und den Missbrauch abgelaufener Domains, eine eigene Richtlinie seit dem 5. März 2024.
- Seit dem 14. Dezember 2022 erkennt Googles System SpamBrain laut Google auch Websites, die zum Weitergeben ausgehender Links genutzt werden. Ranking-Vorteile aus solchen Links gehen laut Google verloren und lassen sich nicht zurückgewinnen.
- Das Google Search Status Dashboard verzeichnet zwölf Spam-Updates seit November 2021, davon vier im Jahr 2026 (Stand 25. Oktober 2026).
- Ein eigenes Netzwerk aus zehn Seiten kostet in unserer Beispielrechnung über drei Jahre rund 34.900 Euro – so viel wie etwa 20 bezahlte Artikel in Fachmagazinen zum mittleren Einstiegspreis von 1.737,50 Euro aus unserer Erfassung.
- Rechtlich angreifbar wird ein PBN, sobald jemand getäuscht wird: Leser durch bezahlte Artikel ohne Werbehinweis (§ 5a Abs. 4 UWG, § 6 DDG) oder Käufer durch Netzwerk-Seiten, die als unabhängige Magazine mit Lesern verkauft werden.
Was ein PBN ist – und was nicht
Ein Private Blog Network besteht aus mehreren Websites, die ein Betreiber kontrolliert. Sie sehen aus wie unabhängige Blogs oder kleine Magazine, haben aber weder eigenes Publikum noch eigene Redaktion. Ihr Zweck ist der Link auf die Geldseite, also die Website, die ranken und Umsatz machen soll.
„Privat“ heißt: Die Verbindung zwischen den Seiten soll niemand sehen, weder Google noch die Käufer der Links. Das unterscheidet ein PBN von einer Verlagsgruppe, die ihre Titel offen unter einem Dach führt. Den Oberbegriff Linknetzwerk und neun technische Muster, an denen solche Strukturen auffallen, behandelt Linknetzwerke erkennen ausführlich; hier geht es um das PBN als Geschäftsmodell.
| Begriff | Was gemeint ist | Verbindung sichtbar? |
|---|---|---|
| PBN (Private Blog Network) | getarntes Netz, Zweck: Links weitergeben | nein, wird verborgen |
| Offenes Blognetzwerk | Seiten eines Anbieters, als Paket verkauft | ja, zumindest für Käufer |
| Linkfarm | Seiten, die sich vor allem gegenseitig verlinken | meist offensichtlich |
| Verlagsgruppe | mehrere Titel mit Redaktion und Lesern | ja, im Impressum |
Es gibt zwei Geschäftsmodelle. Im ersten baut jemand ein Netzwerk für eigene Geldseiten. Im zweiten verkauft der Betreiber Plätze an Kunden – als einzelne PBN-Backlinks oder im Paket. Für Unternehmen, die Links einkaufen, ist das zweite Modell das relevante.
Wie speziell das Thema in Deutschland ist, zeigen die Suchdaten: „pbn backlinks“ und „private blog network“ kommen auf je rund 20 Suchen im Monat, „pbn seo“ auf 10 (Google Ads, Stand Oktober 2026). Die 720 monatlichen Suchen nach „pbn“ gelten überwiegend anderen Bedeutungen.
Warum PBNs angeboten werden
Ein PBN verspricht drei Dinge, die redaktionelle Links nicht bieten:
- Kontrolle: Zielseite, Ankertext und Zeitpunkt bestimmt der Käufer. Bei einem Link aus einem Fachmedium entscheidet die Redaktion.
- Tempo: Der Link steht in Tagen statt nach Wochen Outreach.
- Kennzahlen: Abgelaufene Domains bringen verweisende Domains und einen ordentlichen Domain Rank (DataForSEO, 0–100) mit. Käufer sehen die Metrik, nicht die fehlenden Leser.
Für Verkäufer kommt die Marge hinzu: Eine Domain lässt sich an viele Kunden verkaufen, jeder weitere Artikel kostet wenig. Und die Methode verkauft sich, weil sie oft eine Weile zu wirken scheint. Ob und wann Google die Links entwertet, sieht der Käufer nicht. Die Search Console meldet manuelle Maßnahmen in einem eigenen Bericht; für die algorithmische Entwertung gibt es keinen solchen Bericht.
Unsere Einordnung: Ein PBN verkauft Kontrolle. Genau diese Kontrolle – gesteuerter Ankertext, garantierter Dofollow-Link, kein Werbehinweis – unterscheidet einen gekauften von einem verdienten Link. Und genau danach suchen Googles Systeme.
Wie ein PBN aufgebaut ist – erklärt, nicht angeleitet
Wir beschreiben das Prinzip, damit Sie es erkennen. Eine Bauanleitung gibt es hier bewusst nicht. Ein typisches Netzwerk hat vier Bausteine:
- Domains mit Vergangenheit: abgelaufene Domains früherer Vereine, Praxen oder eingestellter Projekte, deren alte Links weiterwirken sollen. Wie der Handel mit solchen Domains funktioniert, steht in Expired Domains kaufen.
- Tarnung: verschiedene Hoster, Designs und Registrare, erfundene Autoren. Ziel ist, keinen Footprint zu hinterlassen, also kein wiederkehrendes technisches oder inhaltliches Merkmal.
- Füllinhalte: genug Artikel, damit die Seite wie ein Blog aussieht – ob von Hand geschrieben, eingekauft oder maschinell erzeugt.
- Linkträger: einzelne Artikel mit dem Link zur Geldseite, Ankertext nach Wunsch. Manche Netzwerke schalten sich als Zwischenstufe vor andere Links; das Prinzip erklärt Tiered Linkbuilding.
Darin steckt ein Widerspruch, den kein Betreiber auflöst. Jede Tarnung kostet Geld, jeder gesparte Euro hinterlässt eine Spur. Und selbst perfekte Tarnung verbirgt nur die Verbindung der Seiten, nicht ihren Zweck: Seiten ohne Leser, mit wechselnden Themen und mit bezahlten ausgehenden Links bleiben genau das.
Diesen Zweck nimmt Google ins Visier. Seit Dezember 2022 erkennt SpamBrain nach Googles Angaben nicht nur Seiten, die Links kaufen, sondern auch Seiten, die zum Weitergeben ausgehender Links genutzt werden (December 2022 link spam update). Das ist, in Googles Worten, die Beschreibung eines PBN.
Kosten und Wirtschaftlichkeit: die Rechnung mit offenen Annahmen
Die Wirtschaftlichkeit hängt von der Rolle ab. Wir rechnen beide Seiten durch. Alle Werte in der ersten Tabelle sind Annahmen aus üblichen Marktspannen, keine gemessenen Preise; Rohdaten und Rechenweg liegen offen.
Betreiber: was ein eigenes Netzwerk kostet
| Posten (10 Seiten, 3 Jahre) | Annahme | Summe |
|---|---|---|
| Domains kaufen | 300 € je Domain; in der Praxis von unter 100 bis über 1.000 € | 3.000 € |
| Verlängerung | 15 € je Domain und Jahr | 450 € |
| Hosting, getrennt je Seite | 8 € je Seite und Monat | 2.880 € |
| Inhalte | 8 Artikel zum Start plus 6 pro Jahr je Seite, 60 € je Artikel | 15.600 € |
| Pflege und Platzierung | 6 Stunden im Monat zu 60 € | 12.960 € |
| Gesamt | 34.890 € |
Setzt jede der zehn Seiten in drei Jahren drei Links auf die Geldseite, kostet ein Link rund 1.160 Euro. Zum Vergleich: Der mittlere öffentlich genannte Einstiegspreis für einen bezahlten Artikel liegt bei den Fachmagazinen in unserer Erfassung bei 1.737,50 Euro (268 Magazine mit Euro-Preis, mittlere Hälfte 990 bis 2.981 Euro, Stand 25.10.2026). Für die Summe des Netzwerks gäbe es rund 20 solcher Platzierungen – gekennzeichnet und mit sponsored-Link, also ohne Linkkraft, aber mit Lesern, Nennung und nach unserer Einschätzung ohne Spam-Risiko.
Käufer: warum PBN-Links billig wirken
Wer Plätze in einem fremden Netzwerk kauft, zahlt nach unserer Erfahrung meist zwei- bis niedrige dreistellige Beträge pro Link. Billig ist das, weil der Betreiber dieselbe Domain an viele Kunden verkauft. Genau dieses Muster – eine Seite, viele bezahlte ausgehende Links – sucht SpamBrain.
Die entscheidende Rechengröße ist deshalb nicht der Preis, sondern die Haltbarkeit. Google schreibt zu Link-Spam-Updates: Wenn die Systeme die Wirkung von Spam-Links entfernen, ist jeder Ranking-Vorteil, den diese Links gebracht haben, verloren und kann nicht zurückgewonnen werden (Google: Spam-Updates und Ihre Website). Ein PBN-Link ist damit eine Miete mit unbekannter Laufzeit. Dazu kommen mögliche Folgekosten für Audit und Bereinigung, beschrieben im Backlink-Audit in 7 Schritten.
Risiko-Ampel: Rot
Auf unserer Risiko-Ampel steht ein PBN auf Rot, aus zwei voneinander unabhängigen Gründen: Googles Spam-Richtlinien und, sobald Geld fließt oder jemand getäuscht wird, das Wettbewerbsrecht. Wo die Grenze zu Grau verläuft, zeigt Black-Hat-SEO vs. White-Hat-SEO.
Google: drei Richtlinien, die greifen
Link-Spam. Google definiert Link-Spam als „das Erstellen von Links zu oder von einer Website, hauptsächlich um das Suchranking zu manipulieren“. Als Beispiele nennt die deutsche Fassung unter anderem „Ge- oder verkaufte Links, die das Ranking verbessern sollen“ und das „Erstellen minderwertiger Inhalte in erster Linie zum Zweck der Manipulation von Verlinkungs- und Rankingsignalen“ (Google: Spamrichtlinien). Das erste trifft den Linkverkauf, das zweite das selbst betriebene Netzwerk. Was die Richtlinie sonst erlaubt, ordnet der Beitrag zu Googles Link-Spam-Richtlinien ein.
Missbrauch abgelaufener Domains. Er liegt laut Google vor, wenn „ein Name einer abgelaufenen Domain gekauft und in erster Linie zur Manipulation des Suchrankings umfunktioniert“ wird, „indem Inhalte gehostet werden, die Nutzern kaum oder gar keinen Mehrwert bieten“. Bei der Einführung am 5. März 2024 schrieb Google, so etwas passiere niemandem aus Versehen – und stellte klar, dass ein alter Domainname für eine neue, eigenständige Website, die Menschen dienen soll, in Ordnung ist (Search Central Blog, März 2024).
Websiteruf. Diese Richtlinie trifft das klassische PBN selten direkt. Sie gilt, wenn Inhalte Dritter auf einer Hostwebsite veröffentlicht werden, „in erster Linie, um die bereits etablierten Ranking-Signale des Hosts zu nutzen“. Relevant wird sie, wenn ein Angebot statt eigener Netzwerk-Seiten Bereiche auf etablierten fremden Websites verkauft. Seit dem 30. August 2026 wirken manuelle Maßnahmen nach dieser Richtlinie für Nutzer im EWR nicht mehr direkt; der Bereich kann stattdessen getrennt eingestuft werden (Search Central Blog, 28.08.2026).
Hinzu kommt: Googles Spam-Definition umfasst ausdrücklich auch den Versuch, Antworten zu manipulieren, die generative KI in der Google Suche erzeugt. Für GEO, also die Sichtbarkeit in KI-Antworten, bringt ein PBN nach unserer Einschätzung ohnehin wenig. Eine Nennung entsteht über Quellen, die gelesen und zitiert werden – eine Netzwerk-Seite ohne Leser ist das Gegenteil davon.
Recht: Rot, sobald jemand getäuscht wird
Ein Gesetz gegen Blognetzwerke gibt es nicht. Zwei Konstellationen sind trotzdem angreifbar (keine Rechtsberatung):
- Leser werden getäuscht. Ein bezahlter Artikel im Netzwerk ohne Werbehinweis macht den kommerziellen Zweck nicht kenntlich; nach § 5a Abs. 4 UWG ist das unlauter, eine Gegenleistung wird vermutet. § 6 Abs. 1 Nr. 1 DDG verlangt, dass kommerzielle Kommunikation klar als solche zu erkennen ist. PBN-Artikel sind per Konstruktion ungekennzeichnet, denn ein Hinweis „Anzeige“ würde die Tarnung zerstören.
- Käufer werden getäuscht. Wer Netzwerk-Seiten als „unabhängige Magazine mit echter Leserschaft“ verkauft, macht unwahre Angaben über wesentliche Merkmale seiner Dienstleistung; § 5 Abs. 2 Nr. 1 UWG nennt dazu ausdrücklich auch die von der Verwendung zu erwartenden Ergebnisse. Ansprüche aus dem UWG haben vor allem Mitbewerber und Verbände; für Sie als Käufer ist das Vertragsrecht naheliegender, etwa die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung nach § 123 BGB.
Wer als Käufer für einen ungekennzeichneten Artikel zahlt, steht selbst im Risiko, etwa einer Abmahnung durch Mitbewerber. Wie Haftung zwischen Käufer und Verkäufer verteilt ist, steht in Ist Backlinks kaufen erlaubt?; wie eine korrekte Kennzeichnung aussieht, in Gekaufte Links richtig kennzeichnen.
Was Google öffentlich dokumentiert hat: Blog und Status-Dashboard
Den Begriff „PBN“ verwendet Google in seinen Spam-Richtlinien nicht. Die Spur lässt sich trotzdem verfolgen, im Search Central Blog und im Search Status Dashboard, Googles offizieller Liste der Ranking-Updates.
- Juni 2020: Im Webspam-Bericht für 2019 schreibt Google, seine Systeme hätten mehr als 90 Prozent des Link-Spams erkannt; Techniken wie bezahlte Links oder Linktausch seien weniger wirksam gemacht worden (Search Central Blog).
- 26. Juli 2021: Link-Spam-Update. Google warnt vor Kampagnen minderwertiger Sponsored- und Gastbeiträge, die vor allem Links bringen sollen; wer solche Links ohne passende rel-Werte veröffentlicht oder erwirbt, riskiert algorithmische und manuelle Maßnahmen (Search Central Blog).
- 14. Dezember 2022: SpamBrain erkennt auch Seiten, die Links weitergeben. Im Webspam-Bericht 2022 meldet Google 50-mal mehr erkannte Link-Spam-Seiten als beim vorherigen Link-Spam-Update.
- 5. März 2024: neue Richtlinien gegen Missbrauch abgelaufener Domains, massenhaft erzeugte Inhalte und Missbrauch des Websiterufs.
- 28. August 2026: geänderte Durchsetzung der Websiteruf-Richtlinie im EWR.
Das Search Status Dashboard listet seit Beginn seiner Historie im November 2021 zwölf Spam-Updates. Vier davon fielen ins Jahr 2026: am 24. März, 24. Juni, 18. August und 24. September; das September-Update war erst am 8. Oktober vollständig ausgerollt. Nur eines trägt ausdrücklich den Namen Link-Spam-Update, das vom Dezember 2022.
Welche Taktiken ein Update konkret traf, schreibt Google nicht. Für ein Netzwerk heißt die Liste trotzdem: Es muss nicht einmal unentdeckt bleiben, sondern jedes Update überstehen. Dazu kommen manuelle Maßnahmen, die Google für beide Seiten kennt – „Unnatürliche Links zu Ihrer Website“ für Käufer, „Unnatürliche Links von Ihrer Website“ für Verkäufer (Search-Console-Hilfe). Wie Sie nach einem Update prüfen, ob Ihr Linkprofil betroffen ist, zeigt der Prüfplan zu Core- und Spam-Updates.
Woran Sie ein PBN-Angebot erkennen, bevor Sie zahlen
Die neun technischen Muster – gemeinsame Server, Tracking-IDs, Impressum, Querverlinkung und mehr – stehen in Linknetzwerke erkennen: 9 Muster. Hier geht es um den Schritt davor: das Angebot selbst. Vier Signale lassen sich prüfen, bevor eine einzige Domain technisch untersucht ist.
| Signal | Typisch im Angebot | So prüfen Sie es |
|---|---|---|
| Verkaufssprache | „dauerhaft dofollow“, „ohne Werbehinweis“, „footprint-frei“, „Google-sicher“ | Mail lesen: Garantien, die keine Redaktion geben kann |
| Nur Metriken | „Domain Rank 30+“ als einziges Qualitätsmerkmal, Domainliste erst nach Zahlung | Domainliste und eine Beispiel-URL je Domain vorab verlangen |
| Themenmix | „Blogs aus allen Bereichen“, Kategorie „Allgemein“ | letzte 20 Beiträge ansehen, site:-Abfragen nach Casino oder Kredit |
| Kein Traffic | viele verweisende Domains, keine Leserzahlen | Domain-Check: Domain Rank gegen geschätzte Besuche |
Beim Traffic hilft ein Vergleichswert aus unserer Gegenprobe an echten Fachmagazinen: Nur 5,3 Prozent der Magazine mit einem Domain Rank ab 30 haben weniger als 100 geschätzte Besuche im Monat. Trifft das auf die Hälfte einer Angebotsliste zu, ist das kein Zufall.
Die Domain-Historie – und wo Whois und Wayback an Grenzen stoßen
Die Wayback Machine des Internet Archive zeigt, was früher unter einer Domain stand. Ein Themenbruch – erst Sportverein, nach einer Lücke Ratgeber zu Krediten und Gartenmöbeln – ist das deutlichste Zeichen. Das Archiv garantiert aber nach eigenen Angaben nicht, dass eine Website erfasst ist, und Betreiber können ihre Domain ausschließen lassen. Fehlende Aufnahmen beweisen also nichts.
Noch enger sind die Grenzen beim Whois. Für .de-Domains liefert die DENIC-Abfrage (RDAP) keine Inhaberdaten und kein Registrierungsdatum, nur das Datum der letzten Änderung (eigene Abfrage vom 25. Oktober 2026). Ob eine Domain zwischenzeitlich frei war, bleibt offen. Bei .com-Domains zeigt RDAP das Registrierungsdatum; wurde eine Domain gelöscht und neu registriert, beginnt es in der Regel mit der Neuregistrierung. Ein junges Datum bei zehn Jahre alten Links ist deshalb selbst ein Hinweis.
Unsere Regel: Keine Bestellung ohne Domainliste und Beispiel-URL je Domain. Wer beides erst nach Zahlung nennen will, verkauft sehr wahrscheinlich etwas, das eine Prüfung nicht übersteht.
Beispiel: Ein Angebot über zehn „Power-Blogs“ im Check
Ein erfundenes, aber typisches Beispiel: Ein Fensterbaubetrieb mit 25 Mitarbeitern erhält eine Mail. Angeboten werden zehn Artikel auf „themenstarken Power-Blogs“, Domain Rank 30 bis 45, „dauerhaft dofollow, ohne Werbekennzeichnung“, einmalig 790 Euro. Die Inhaberin nimmt sich 30 Minuten:
- Verkaufssprache (2 Minuten): drei Signale in einem Satz – garantierter Dofollow-Link, fehlende Kennzeichnung, Qualität nur als Metrik.
- Domainliste anfordern (5 Minuten): Die Liste kommt mit Beispiel-URLs. Auf derselben Domain stehen Beiträge über Fenster, Kredite, Reisen und Nahrungsergänzung.
- Domain-Check (10 Minuten): 8 der 10 Domains haben über 150 verweisende Domains, aber unter 100 geschätzte Besuche im Monat.
- Wayback Machine (10 Minuten): 6 Domains gehörten früher einem Turnverein, einer Arztpraxis oder einem Hotel; danach eine Lücke, dann der Gemischtwaren-Blog.
- RDAP für die .com-Domains (3 Minuten): Drei wurden 2025 neu registriert, obwohl ihre Links teils zehn Jahre alt sind.
Die Entscheidung fällt leicht. 79 Euro pro Link wirken günstig, aber der Betrieb würde Links kaufen, die Google als Link-Spam einstuft und ohne Rückgewinn neutralisieren kann – und dazu ungekennzeichnete Werbung für das eigene Unternehmen, die ein Mitbewerber abmahnen könnte. Sinnvoller sind die 790 Euro in einer Mitgliedschaft mit Profilseite angelegt, wie sie Verbands- und Kammerlinks beschreibt, oder in einem lokalen Sponsoring mit echtem Anlass. Weitere tragfähige Wege stehen in den 12 Strategien für den Linkaufbau.
Was das für Sie konkret heißt
Liegt Ihnen gerade ein Linkangebot vor, verlangen Sie Domainliste und Beispiel-URL je Domain und prüfen Sie drei beliebige Domains im Domain-Check und in der Wayback Machine. Das dauert 15 Minuten und zeigt meist schon, ob Sie es mit Leser-Medien oder mit einem Netzwerk zu tun haben.
Haben Sie früher Pakete gekauft, öffnen Sie in der Search Console den Linkbericht, Tabelle „Top-verweisende Websites“. Unbekannte Domains, die mit Ihrem wichtigsten Suchbegriff als Ankertext verlinken, gehören auf die Prüfliste für ein Backlink-Audit.
Was das nicht leistet
Unsere Kostenrechnung beruht auf Annahmen, nicht auf gemessenen Preisen; reale Netzwerke sind kleiner oder größer, billiger oder teurer gebaut. Der Vergleichspreis stammt aus öffentlich genannten Einstiegspreisen von 268 Fachmagazinen und sagt nichts über verhandelte Preise.
Google veröffentlicht nicht, wie viele Netzwerke es erkennt und welche Updates welche Taktik trafen. Dass einzelne PBN-Links eine Zeit lang wirken, lässt sich nicht ausschließen – vorhersagen lässt sich die Dauer nicht. Die rechtlichen Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Was ist ein PBN?
PBN steht für Private Blog Network, ein privates Blognetzwerk: mehrere Websites unter gemeinsamer Kontrolle, die unabhängig wirken sollen und vor allem Links mit Ranking-Wirkung weitergeben. Meist stehen sie auf abgelaufenen Domains mit altem Linkprofil. Im deutschen Suchverhalten meint „PBN“ allerdings überwiegend anderes, etwa eine Proteinmarke oder Flugnavigation.
Sind PBN-Backlinks verboten?
Ein Gesetz verbietet sie nicht. Nach Googles Spam-Richtlinien sind gekaufte Links mit Ranking-Wirkung und Inhalte zur Manipulation von Linksignalen aber Link-Spam. Rechtlich angreifbar wird es, wenn bezahlte Artikel nicht als Werbung gekennzeichnet sind (§ 5a Abs. 4 UWG) oder Verkäufer über die Art der Seiten täuschen.
Erkennt Google PBNs?
Google nennt keine Erkennungsquote für Netzwerke. Laut Google erkennt SpamBrain seit Dezember 2022 aber auch Seiten, die zum Weitergeben ausgehender Links genutzt werden; im Webspam-Bericht 2022 meldete Google 50-mal mehr erkannte Link-Spam-Seiten als beim vorherigen Link-Spam-Update. Das Search Status Dashboard verzeichnet seit November 2021 zwölf Spam-Updates.
Was kostet ein PBN-Link?
Gekaufte PBN-Links kosten nach unserer Erfahrung meist zwei- bis niedrige dreistellige Beträge. Ein selbst betriebenes Netzwerk aus zehn Seiten kommt in unserer Beispielrechnung über drei Jahre auf rund 34.900 Euro, also etwa 1.160 Euro je Link. Entscheidend ist die Haltbarkeit: Entwertet Google die Links, ist der Vorteil laut Google nicht zurückzugewinnen.
Was tun, wenn ich PBN-Links gekauft habe?
Ohne manuelle Maßnahme ist das nach unserer Einschätzung meist kein Notfall, weil Google unnatürliche Links nach eigenen Angaben neutralisiert. Stoppen Sie weitere Käufe und erfassen Sie die Links über den Linkbericht der Search Console. Liegt eine manuelle Maßnahme vor, folgen Sie dem Ablauf zum Aufheben manueller Maßnahmen.
Darf ich eine abgelaufene Domain für ein neues Projekt nutzen?
Ja. Google schreibt ausdrücklich, ein alter Domainname für eine neue, eigenständige Website, die Menschen dienen soll, sei in Ordnung. Missbrauch liegt vor, wenn die Domain vor allem gekauft wird, um mit wenig hilfreichen Inhalten von ihrer Vorgeschichte zu profitieren. Die Prüfschritte stehen in Expired Domains kaufen.
