Wie viele Backlinks braucht eine Website?
Die Frage ist so verbreitet wie unbeantwortbar in der Form, in der sie gestellt wird. Es gibt keine Zahl, ab der eine Website „genug“ Backlinks hat – genauso wenig, wie es eine Zahl gibt, ab der ein Geschäft genug Stammkunden hat.
Was es gibt, ist ein Rechenweg. Er führt nicht über eine allgemeine Empfehlung, sondern über die Websites, die heute in Ihren Suchbegriffen vor Ihnen stehen. Die Zahl, die dabei herauskommt, gilt für Ihren Markt und für sonst niemanden.
Und er führt über eine andere Größe als die, nach der meistens gefragt wird: nicht über die Zahl der Links, sondern über die Zahl der verweisenden Domains.
Kurz & knapp
- Zwanzig Links von einer Website zählen weniger als drei Links von drei Websites. Die maßgebliche Zahl heißt verweisende Domains.
- Die Zielgröße ergibt sich aus dem Wettbewerb in Ihren Suchbegriffen, nicht aus einer allgemeinen Empfehlung.
- Für viele mittelständische Nischen liegt der Abstand im zweistelligen Bereich – nicht im dreistelligen, wie oft befürchtet.
Warum die Frage nach der Zahl in die Irre führt
Ein Link ist kein Punkt auf einem Konto. Google wertet, von wem der Verweis kommt, in welchem Zusammenhang er steht und ob er eine Entscheidung darstellt. Zwanzig Verweise aus der Fußzeile derselben Website sind ein einziges Signal, zwanzigmal wiederholt.
Deshalb zählen Fachleute verweisende Domains: die Zahl unterschiedlicher Websites, von denen mindestens ein Link kommt. Diese Zahl lässt sich schwerer künstlich erhöhen und beschreibt besser, wie breit ein Unternehmen im Netz verankert ist. Die Mechanik dahinter erklärt Was sind Backlinks?
Der Rechenweg in vier Schritten
- Suchbegriff festlegen. Nicht „unsere Branche“, sondern der konkrete Begriff, bei dem Sie gefunden werden wollen – der, den ein Kunde eintippt, bevor er anruft.
- Die ersten fünf Ergebnisse ansehen. Wer steht dort heute? Notieren Sie die Domains, nicht die einzelnen Seiten.
- Verweisende Domains vergleichen. Für jede dieser Domains und für Ihre eigene. Der Backlink-Gap-Rechner macht das für bis zu drei Wettbewerber in einem Durchgang und rechnet die Lücke gleich in Monate und Budget um.
- Den Median nehmen, nicht den Spitzenwert. Sie müssen nicht den Marktführer einholen, sondern an den mittleren der ersten fünf herankommen.
Wichtig zur Einordnung: Das Ergebnis ist eine Größenordnung, keine Zielmarke. Wenn die Rechnung „achtzehn Domains fehlen“ sagt, heißt das nicht, dass Sie nach der achtzehnten vorn stehen. Es heißt, dass Sie mit fünf nicht in Reichweite kommen und mit fünfzig über das Ziel hinausschießen.
Was die Zahl noch beeinflusst
| Faktor | Wirkung auf die nötige Zahl | Warum |
|---|---|---|
| Wettbewerbsdichte im Begriff | sehr stark | je mehr gut verlinkte Wettbewerber, desto höher die Schwelle |
| Thematische Nähe der Quellen | stark | ein Fachmedium der Branche ersetzt mehrere fremde Portale |
| Alter und Historie der Domain | mittel | eine gewachsene Domain braucht weniger neue Verweise |
| Qualität der Zielseite | mittel | eine dünne Seite rankt auch mit Links nicht |
| Zahl der Links je Domain | gering | der zweite Link von derselben Website zählt kaum noch |
Die zweite Zeile ist der Hebel, den kleine Unternehmen unterschätzen. Wer in einer engen Nische arbeitet, braucht oft keine dreistellige Zahl, sondern fünfzehn Verweise von den richtigen fünfzehn Websites. Warum das gerade im B2B gilt, steht in Linkbuilding für B2B.
Ein Rechenbeispiel
Ein Zulieferer möchte für eine Anwendungsseite gefunden werden. Die ersten fünf Ergebnisse haben 140, 95, 60, 45 und 38 verweisende Domains; der mittlere Wert liegt bei 60. Die eigene Domain hat 22.
Die Lücke beträgt also rund 38 verweisende Domains. Bei zwei neuen Domains je Monat – eine realistische Größe für ein Unternehmen ohne SEO-Abteilung – sind das rund 19 Monate. Bei Marktpreisen von 150 bis 3.000 Euro je Platzierung liegt das Budget je nach Beschaffungsweg zwischen etwa 6.000 und 114.000 Euro, wobei die ersten vier bis sechs Domains aus eigenen Geschäftsbeziehungen kommen können und damit nur Arbeitszeit kosten.
Die Spanne ist unbefriedigend breit – und genau das ist die ehrliche Auskunft. Was den Preis je Platzierung treibt, steht in Linkbuilding-Kosten.
Was das für Sie konkret heißt
Rufen Sie den Backlink-Gap-Rechner auf, tragen Sie Ihre Domain und drei Wettbewerber ein und notieren Sie zwei Zahlen: Ihre verweisenden Domains heute und den mittleren Wert der Wettbewerber. Die Differenz ist Ihre Zielgröße für die nächsten zwölf Monate.
Wenn die Differenz kleiner als zehn ist, brauchen Sie keinen Dienstleister, sondern einen Nachmittag für die eigenen Geschäftsbeziehungen.
Was das nicht leistet
Verweisende Domains erklären einen Teil der Rangfolge, nicht die ganze. Inhalt, Nutzersignale, technische Grundlagen und die Passung zur Suchintention wirken mit – bei manchen Suchbegriffen stärker als Links. Wenn die ersten fünf Ergebnisse sehr wenige Verweise haben, entscheidet in diesem Begriff etwas anderes.
Außerdem stammen alle Kennzahlen von Anbietern wie DataForSEO, Ahrefs oder Semrush – jeder hat seinen eigenen Index, und die Werte derselben Domain weichen voneinander ab. Vergleichen Sie deshalb immer innerhalb eines Werkzeugs, nie über Werkzeuge hinweg.
Häufige Fragen
Reichen zehn gute Backlinks?
In einer engen Nische mit wenig verlinkten Wettbewerbern: durchaus. In einem umkämpften Markt: nein. Die Antwort steht in den ersten fünf Suchergebnissen Ihres Begriffs, nicht in einer allgemeinen Zahl.
Wie schnell dürfen neue Links entstehen?
Es gibt kein Tempolimit, aber ein Muster: Wenn eine junge Domain in vier Wochen hundert Verweise bekommt und danach nie wieder einen, ist das kein gewachsenes Profil. Zwei bis fünf neue Domains im Monat sind für ein mittelständisches Unternehmen unauffällig und gut zu leisten.
Zählen Links von derselben Domain mehrfach?
Kaum. Der erste Verweis von einer Website trägt den größten Teil der Wirkung, jeder weitere deutlich weniger. Deshalb ist die Zahl der verweisenden Domains die bessere Kennzahl als die Zahl der Links.
