Titelkarte: Pressearbeit für kleine Unternehmen – Digital PR, Linkship

Pressearbeit für kleine Unternehmen: Von der ersten Meldung zur Platzierung

Die erste Pressemitteilung eines kleinen Unternehmens sieht fast immer gleich aus: Sie ist zwei Seiten lang, sie beginnt mit „Als innovativer Partner“, sie kündigt eine neue Website an, und sie geht an vierzig Adressen, die jemand aus dem Impressum von Zeitungsseiten zusammengesucht hat. Danach passiert nichts. Nicht wenig – nichts.

Der Schluss, den viele Geschäftsführer daraus ziehen, lautet: Pressearbeit funktioniert für uns nicht. Der richtige Schluss wäre: Pressearbeit funktioniert für kleine Unternehmen anders als für Konzerne, und fast alles, was an der ersten Meldung falsch war, ist handwerklich reparierbar. Eine Lokalredaktion sucht keine Unternehmensnachrichten. Sie sucht Geschichten aus ihrem Verbreitungsgebiet, und sie hat dafür weniger Personal als vor zehn Jahren.

Dieser Artikel beschreibt den Weg von der ersten Meldung zur regelmäßigen Platzierung: welche Anlässe tatsächlich Nachrichtenwert haben und welche nicht, wie ein Jahresplan aus wiederkehrenden Anlässen aussieht, wie Sie einen eigenen Medienverteiler aufbauen, welche zehn Medien für ein regionales Unternehmen zuerst infrage kommen, wie Fachmedien dazukommen – und was Sie nach zwölf Monaten realistisch erwarten dürfen.

Kurz & knapp

  • Pressearbeit ist der Teil der Öffentlichkeitsarbeit, der sich an Redaktionen richtet. Sie verkauft nichts, sondern liefert Material, aus dem eine Redaktion einen Beitrag machen kann.
  • Nachrichtenwert entsteht aus Neuigkeit, Betroffenheit Dritter und Nutzen – nicht aus der Bedeutung, die ein Anlass intern hat. Eine neue Website hat keinen Nachrichtenwert, ein Neubau mit fünfzehn Arbeitsplätzen schon.
  • Sechs bis acht Meldungen im Jahr, verlässlich geliefert, schlagen zwanzig Meldungen in einem Quartal und danach zwei Jahre Funkstille. Ein eigener Verteiler mit 15 bis 40 namentlichen Kontakten ist jedem gekauften Adressbestand überlegen.
  • Realistische Erwartung im ersten Jahr: einzelne Veröffentlichungen in Regionalmedien, viele davon ohne Link. Erwähnungen ohne Link sind trotzdem ein Ergebnis – sie zahlen auf Bekanntheit und auf die Sichtbarkeit in KI-Antworten ein.

Warum Pressearbeit im kleinen Unternehmen anders funktioniert

Ein Konzern betreibt Pressearbeit überwiegend reaktiv. Journalisten rufen an, weil das Unternehmen relevant ist; die Pressestelle organisiert Antworten, Sprecher und Freigaben. Ein Unternehmen mit zwölf, dreißig oder achtzig Mitarbeitern hat diese Ausgangslage nicht. Bei Ihnen ruft niemand an. Sie müssen den Anlass liefern, das Material aufbereiten und den Kontakt herstellen – jedes Mal.

Das klingt nach einem Nachteil und ist zur Hälfte ein Vorteil, denn Sie konkurrieren nicht um dieselben Plätze. Die Wirtschaftsredaktion einer überregionalen Zeitung wird über Sie nicht schreiben. Die Lokalredaktion Ihrer Stadt dagegen braucht jede Woche Themen aus genau dem Gebiet, in dem Sie sitzen, und hat dafür weniger Redakteure als früher. Eine sauber aufbereitete Meldung mit brauchbaren Fotos ist dort keine Zumutung, sondern Entlastung.

Der zweite Vorteil ist Fachlichkeit. In einem Handwerksbetrieb, einem Zulieferer oder einer Spezialkanzlei sitzt Wissen, das Fachredaktionen suchen und das ein Konzernsprecher nur in freigegebenen Formulierungen herausgeben darf. Wer eine Frage konkret beantwortet – mit Zahlen, mit einer Einordnung, auch mal mit einem „das halten wir für falsch“ –, ist als Gesprächspartner attraktiv.

Pressearbeit und Öffentlichkeitsarbeit: die Abgrenzung

Öffentlichkeitsarbeit umfasst alles, was ein Unternehmen tut, um bei relevanten Gruppen wahrgenommen und verstanden zu werden: Kundenkommunikation, Employer Branding, Social Media, Veranstaltungen, Kontakt zu Kommune und Verbänden. Pressearbeit ist der Ausschnitt davon, der sich an Journalisten richtet.

Die Unterscheidung entscheidet über die Tonlage. In der Öffentlichkeitsarbeit sprechen Sie direkt zur Zielgruppe und dürfen werben. In der Pressearbeit sprechen Sie zu jemandem, dessen Aufgabe es ist, Werbung herauszufiltern: Jeder Superlativ, jede Selbstbeschreibung als „führend“ und jeder Satz ohne überprüfbaren Inhalt verkürzt die Lebensdauer Ihrer Mail im Postfach.

Welche Anlässe Nachrichtenwert haben – und welche nicht

Nachrichtenwert ist keine Eigenschaft Ihres Unternehmens, sondern des Anlasses aus Sicht des Publikums. Intern kann der Website-Relaunch ein Halbjahresprojekt gewesen sein; für die Leser der Lokalzeitung ist er kein Ereignis. Die Übersicht sortiert die Anlässe, die uns am häufigsten begegnen.

AnlassNachrichtenwertPassendes MediumWas zusätzlich nötig ist
Neubau, Umzug, StandorterweiterungHochLokalredaktion, Wirtschaftsteil, IHK-MagazinInvestitionssumme, Zahl der Arbeitsplätze, Zeitplan, Bauort
Eigene Erhebung oder Auswertung aus dem BetriebsalltagHochFachmedien, überregionale RessortsMethode, Erhebungszeitraum, Grundgesamtheit – sonst wertlos
Einordnung einer Gesetzes- oder NormenänderungHochFachmedien, VerbandsmedienKonkrete Folgen für Betroffene, keine Eigenwerbung
Neue Ausbildungsplätze, Übernahme von AzubisMittel bis hochLokalredaktion, AnzeigenblattNamen und Fotos der Personen, Einverständnis vorab
Wechsel in der Geschäftsführung, NachfolgeregelungMittel bis hochLokalredaktion, Fach- und VerbandsmedienVita, Foto, ein Satz zur künftigen Ausrichtung
Ungewöhnliches ReferenzprojektMittelFachmedien, Lokalredaktion bei lokalem BezugFreigabe des Kunden, technische Details, Vorher-nachher-Bilder
FirmenjubiläumMittelLokalredaktion, AnzeigenblattGeschichte statt Festakt: Gründungsanekdote, Wandel der Branche
Auszeichnung, Zertifizierung, ProduktneuheitGering bis mittelFach- und VerbandsmedienVergabekriterien bzw. echter technischer Unterschied
Neue Website, neues Logo, neue BroschüreKeinerEigene KanäleGehört in Newsletter und Social Media, nicht in den Verteiler

Drei Fragen vor jeder Meldung

Wenn Sie unsicher sind, ob ein Anlass trägt, prüfen Sie ihn an drei Fragen. Erstens: Ist es neu? Nicht neu für Sie, sondern neu als Information. Zweitens: Betrifft es jemanden außerhalb des Unternehmens? Anwohner, Auftraggeber, Bewerber, eine ganze Branche. Drittens: Kann ein Leser damit etwas anfangen? Also: Lernt er etwas, kann er etwas entscheiden, versteht er etwas besser?

Zwei von drei Ja-Antworten reichen für eine Regionalmeldung, eine Fachredaktion verlangt meist alle drei. Kommen Sie auf keine einzige, haben Sie keinen Presseanlass, sondern eine Nachricht für den eigenen Newsletter.

Ein Jahr Pressearbeit im kleinen UnternehmenVier belastbare Anlässe im Jahr sind mehr wert als zwölf erzwungene Meldungen.1Quartal 1GrundlageVerteiler aufbauenPressebereich anlegen2Quartal 2Erster AnlassNeues Produkt oder ProjektMeldung plus Bildmaterial3Quartal 3FachthemaGastbeitrag anbietenExpertenstatus zeigen4Quartal 4RückblickZahlen des JahresAusblick für die Branche
Planbare Anlässe statt Zufall: So entsteht über ein Jahr ein Rhythmus, den Redaktionen wiedererkennen.

Der Jahresplan: Anlässe, die jedes Jahr wiederkommen

Der häufigste Grund, warum Pressearbeit in kleinen Unternehmen einschläft, ist nicht fehlender Erfolg, sondern fehlende Regelmäßigkeit: eine Meldung im März, dann das Tagesgeschäft, und im November stellt jemand fest, dass seit acht Monaten nichts passiert ist. Dagegen hilft ein Jahresplan, der auf Termine setzt statt auf Einfälle.

Ein tragfähiges Jahr besteht aus sechs bis acht Anlässen – mehr ist neben dem Tagesgeschäft selten durchzuhalten und für eine Lokalredaktion ohnehin zu viel. Das folgende Gerüst lässt sich in fast jedem Betrieb füllen:

ZeitfensterAnlassWas dafür gebraucht wird
Januar/FebruarRückblick und Ausblick: Auftragslage, Investitionen, geplante EinstellungenFreigegebene Zahlen, ein Zitat der Geschäftsführung
März/AprilFachthema oder Einordnung: Regeländerung, Normrevision, PreisentwicklungKonkrete Folgen für Betroffene, verständlich erklärt
Mai/JuniPersonal und Nachwuchs: Prüfungen, Übernahmen, Ausbildungsstellen zum HerbstNamen, Fotos, Einverständnis der Personen
Juli/AugustReferenzprojekt oder Betriebsöffnung – nachrichtenarme MonateEin gutes Bildmotiv, Freigabe des Auftraggebers
September/OktoberAusbildungsstart und MesseauftrittGruppenfoto der Auszubildenden, Termin und Standnummer
November/DezemberBilanz, Ausblick aufs Folgejahr, gesellschaftliches EngagementEntschiedene Investitionen, Projektpartner

Anlässe, die sich nicht planen lassen – Großauftrag, Neubau, Nachfolge –, kommen zusätzlich. Wichtig ist, dass das Gerüst auch ohne sie trägt.

Unsere Empfehlung: Tragen Sie die sechs Zeitfenster einmal jährlich als Termine in den Kalender ein, inklusive Vorlauf von zwei Wochen, und legen Sie je Termin fest, wer schreibt und wer freigibt. Pressearbeit scheitert öfter an ungeklärter Zuständigkeit als an schlechten Texten.

Den eigenen Medienverteiler aufbauen

Käufliche Verteiler mit mehreren tausend Adressen sind für ein kleines Unternehmen meist Geldverschwendung: Sie enthalten Redaktionspostfächer statt Personen und veralten schnell. Was trägt, ist ein eigener Verteiler mit 15 bis 40 selbst recherchierten Einträgen.

  1. Medien sammeln. Listen Sie die Medien auf, die Ihre Kunden, Bewerber und Nachbarn tatsächlich lesen – nicht die, die Sie beeindruckend finden.
  2. Personen statt Postfächer finden. Suchen Sie je Medium die Person, die zuletzt über ein vergleichbares Thema geschrieben hat. Der Name steht unter dem Artikel, die Adresse meist im Impressum; bei Fachmedien führen die Mediadaten die Ressortzuständigkeiten.
  3. Eine Tabelle führen. Spalten: Medium, Ressort, Name, E-Mail, Telefon, Themenschwerpunkt, letzter Kontakt, Ergebnis. Diese Tabelle ist das eigentliche Vermögen Ihrer Pressearbeit – nicht der Text der letzten Meldung.
  4. Vor der ersten Meldung einmal anrufen. Zwei Minuten: wer Sie sind, welche Themen Sie künftig liefern könnten, ob eine Mail willkommen ist und in welchem Format. Dieser Anruf ist der größte Unterschied zwischen einem funktionierenden und einem toten Verteiler.
  5. Pflegen statt vergrößern. Notieren Sie nach jeder Aussendung, wer reagiert hat. Kontakte ohne Reaktion bekommen eine andere Ansprache oder fallen raus. Sechzig Einträge sind auf Jahre gesehen genug.

Zur Form: Verschicken Sie Einzelmails, niemals einen sichtbaren Sammelverteiler. Die Meldung gehört in den Mailtext, nicht nur in den Anhang. Bilder kommen in Druckauflösung dazu, mit Bildunterschrift und Urhebernennung, und der Ansprechpartner steht mit Durchwahl darunter – erreichbar auch nachmittags um halb fünf.

Die ersten zehn Medien für ein regionales Unternehmen

Wenn Sie bei null anfangen, ist diese Reihenfolge in unserer Erfahrung die wirtschaftlichste: zuerst die Medien mit der höchsten Aufnahmewahrscheinlichkeit, dann die, die mehr Vorarbeit verlangen.

Die ersten zehn Medien, in dieser ReihenfolgeZuerst: lokalLokalredaktion der Tageszeitung –zuständig für Ihren OrtAnzeigen- oder Wochenblatt, oftvollständige ÜbernahmeOnline-Portal der Region, schneller undmit LinkLokalradio, braucht Themen mit O-TonDann: schon bezahltIHK- oder Handwerkskammer-MagazinInnungs- oder Verbandsmedium derBrancheRegionales Wirtschaftsmagazin mitThemenplanZuletzt: VorarbeitErstes Fachmagazin der eigenen BrancheRegionale Newsletter, Blogs undPodcastsPresseportale als Ergänzung, nicht alsErsatz
Zuerst die Medien mit der höchsten Aufnahmewahrscheinlichkeit, dann die, die mehr Vorarbeit verlangen.
  1. Lokalredaktion der Tageszeitung. Zuständig für Ihren Ort, nicht die Zentralredaktion – der wichtigste Einzelkontakt.
  2. Anzeigenblatt oder Wochenblatt. Hohe Aufnahmebereitschaft, oft vollständige Übernahme, breite Haushaltsabdeckung.
  3. Online-Portal der Region. Stadtportale und regionale Nachrichtenseiten veröffentlichen schneller und verlinken häufiger als die gedruckte Ausgabe.
  4. IHK- oder Handwerkskammer-Magazin. Ihr Mitgliedsbeitrag bezahlt es bereits; Rubriken wie „Unternehmen im Kammerbezirk“ sind auf solche Meldungen ausgelegt.
  5. Innungs- oder Verbandsmedium Ihrer Branche. Kleine Auflage, aber exakt die Leserschaft, die Ihre Arbeit beurteilen kann.
  6. Lokalradio. Braucht Themen mit O-Ton; zwei Sätze am Telefon genügen oft.
  7. Regionales Wirtschaftsmagazin. Arbeitet mit Themenplänen, die Sie anfordern können.
  8. Erstes Fachmagazin Ihrer Branche. Der Einstieg in überregionale Sichtbarkeit – dazu gleich mehr.
  9. Regionale Newsletter, Blogs und Podcasts. Meist von Einzelpersonen betrieben, dankbar für Themen und fast immer mit Link.
  10. Presseportale als Ergänzung. Sie ersetzen keine Redaktion, machen eine Meldung aber auffindbar und dokumentieren sie dauerhaft. Was sie leisten und was nicht, ordnet unser Beitrag zu Presseportalen und Backlinks ein.

Zusammenspiel mit Fachmedien

Regionalmedien berichten über Sie als Unternehmen am Ort, Fachmedien über das, was Sie können. Eine Fachredaktion interessiert sich selten für Ihr Jubiläum, durchaus aber für die Frage, wie sich eine Normänderung in der Praxis auswirkt oder warum ein Verfahren in Kleinserien scheitert.

Der praktische Einstieg führt über den Themenplan. Fast jedes Fachmedium veröffentlicht in seinen Mediadaten, welche Schwerpunkte in welcher Ausgabe geplant sind – meist ein halbes Jahr im Voraus. Wer sich sechs Wochen vor Redaktionsschluss mit einem passenden Vorschlag meldet, trifft auf eine Redaktion, die genau dieses Thema besetzen muss.

Drei Formate funktionieren in Fachmedien besonders zuverlässig: das Expertenzitat in einem fremden Artikel, der Anwenderbericht über ein konkretes Projekt und der Fachbeitrag unter eigenem Namen. Das letzte Format ist das aufwendigste und das wirksamste; worauf es beim Angebot und beim Text ankommt, beschreibt unser Leitfaden zum Gastbeitrag. Welche Titel in Ihrer Branche überhaupt infrage kommen und wie Sie ihre Reichweite einschätzen, hilft die Übersicht der Fachmagazine zu klären.

Eine Abgrenzung, die Missverständnisse vermeidet: Klassische Pressearbeit zielt auf Berichterstattung. Ist das erklärte Ziel die Verlinkung, arbeiten Sie mit anderen Themen und anderer Erfolgsmessung – diese Disziplin heißt Digital PR. Wer beides vermischt, liefert Redaktionen Texte, die nach Werbung riechen, und Suchmaschinen Ergebnisse, die niemand verlinkt.

Was Sie realistisch erwarten dürfen

Erwartungsmanagement entscheidet darüber, ob Pressearbeit im zweiten Jahr noch stattfindet. Die ehrliche Einordnung aus unserer Beratungspraxis – ausdrücklich ein Erfahrungswert, keine Statistik: Von sechs bis acht Meldungen im ersten Jahr führen regelmäßig zwei bis vier zu einer Veröffentlichung, fast immer regional und oft gekürzt. Einzelne Aussendungen bleiben ohne jede Reaktion. Das ist kein Scheitern, sondern der Normalfall.

Drei Punkte werden dabei regelmäßig unterschätzt. Erstens wirkt Pressearbeit zeitversetzt: Der Redakteur, der Ihre Januar-Meldung nicht verwendet hat, erinnert sich im Juni, wenn er zu Ihrem Thema jemanden braucht. Zweitens ist der Nutzen selten direkter Umsatz – er zeigt sich in Bewerbungen und darin, dass ein Kunde Ihren Namen schon einmal gehört hat. Drittens kommt ein großer Teil der Veröffentlichungen ohne Link. Print sowieso, aber auch online setzen viele Redaktionen aus Prinzip keine Links auf Unternehmensseiten.

Diesen dritten Punkt sollten Sie nicht als Verlust verbuchen. Eine namentliche Nennung ohne Link ist ein belastbares Signal für Bekanntheit und wird von KI-Systemen ausgewertet, die aus Texten ableiten, welche Anbieter es in einem Bereich gibt. Wie Sie solche Nennungen finden und in welchen Fällen sich eine freundliche Nachfrage nach einem Link lohnt, beschreibt unser Artikel zu unverlinkten Markennennungen.

Messung: vier Kennzahlen, die tragen

Pressearbeit lässt sich nicht wie eine Anzeigenkampagne abrechnen, aber sie lässt sich beobachten. Vier Größen reichen aus; alles darüber hinaus kostet mehr Zeit, als die Erkenntnis wert ist.

KennzahlWie erhobenRhythmusWas sie zeigt
Veröffentlichungen je AussendungEigene Liste, Google-Alert auf Firmenname, Sichtung der Regionalmediennach jeder MeldungOb Anlass und Aufbereitung tragen
Reaktionsquote im VerteilerSpalte „Ergebnis“ in der VerteilertabellequartalsweiseOb die richtigen Personen im Verteiler stehen
Erwähnungen insgesamt, verlinkt und unverlinktAlert auf Firmenname, Backlink-Werkzeug für Online-FundstellenmonatlichReichweite über die reine Veröffentlichungszahl hinaus
Suchanfragen nach dem Firmennamen und DirektzugriffeGoogle Search Console, WebanalysemonatlichOb Bekanntheit tatsächlich zunimmt

Online-Fundstellen können Sie zusätzlich grob sortieren: Der Domain Rank (DataForSEO, 0–100) schätzt die Stärke einer Domain anhand ihres Linkprofils. Ein regionales Portal mit Wert 30 kann für Sie mehr wert sein als ein überregionales mit Wert 70, wenn dort Ihre Kunden lesen – mehr dazu in Backlinks bewerten.

Unsere Empfehlung: Legen Sie vor der ersten Meldung den Ausgangsstand fest – aktuelle Zahl der Nennungen, aktuelle Suchanfragen nach dem Firmennamen. Ohne diesen Startpunkt diskutieren Sie nach einem Jahr über Eindrücke statt über Veränderungen.

Häufige Fragen

Was gehört zur Pressearbeit in einem kleinen Unternehmen?

Pressearbeit umfasst alles, was sich an Redaktionen richtet: Anlässe finden und bewerten, Meldungen und Bildmaterial erstellen, einen Medienverteiler aufbauen und pflegen, Anfragen von Journalisten beantworten und Veröffentlichungen dokumentieren. Sie ist ein Teilbereich der Öffentlichkeitsarbeit, die zusätzlich Kunden-, Bewerber- und Standortkommunikation umfasst. Der Unterschied liegt in der Tonlage: Pressearbeit liefert Material zur Weiterverarbeitung, sie wirbt nicht.

Wie oft sollte ein kleines Unternehmen eine Pressemitteilung verschicken?

Sechs bis acht Mal im Jahr ist für ein Unternehmen mit bis zu hundert Mitarbeitern ein tragfähiger Rhythmus. Entscheidend ist die Verlässlichkeit, nicht die Menge: Regelmäßige Aussendungen zu echten Anlässen bauen eine Beziehung zur Redaktion auf, während zwanzig Meldungen in einem Quartal und danach zwei Jahre Funkstille eher schaden. Anlässe, die sich nicht planen lassen, kommen zusätzlich.

Welche Anlässe haben wirklich Nachrichtenwert?

Hohen Nachrichtenwert haben Neubauten und Standorterweiterungen, eigene Auswertungen mit nachvollziehbarer Methode sowie die Einordnung von Gesetzes- und Normenänderungen. Mittleren Wert haben Personalthemen, Nachfolgeregelungen, ungewöhnliche Referenzprojekte und Jubiläen. Keinen Nachrichtenwert haben neue Websites, neue Logos und neue Broschüren – diese Themen gehören in die eigenen Kanäle. Die Faustregel lautet: Es muss neu sein, jemanden außerhalb des Unternehmens betreffen und dem Leser einen Nutzen bieten.

Lohnen sich Presseportale für kleine Unternehmen?

Als Ergänzung ja, als Ersatz für Redaktionskontakte nein. Ein Presseportal veröffentlicht Ihre Meldung ungefiltert und macht sie damit dauerhaft auffindbar – es ist aber keine redaktionelle Berichterstattung und wird von Lesern auch nicht als solche wahrgenommen. Rechnen Sie damit als Archiv und Auffindbarkeitsbaustein, nicht als Reichweitenkanal.

Wie baue ich einen Presseverteiler auf?

In fünf Schritten: relevante Medien sammeln, zu jedem Medium die namentlich zuständige Person recherchieren, alles in einer Tabelle mit Themenschwerpunkt und Kontakthistorie führen, vor der ersten Aussendung kurz anrufen und den Verteiler nach jeder Meldung pflegen. Fünfzehn bis vierzig gepflegte Einträge sind wirksamer als ein gekaufter Bestand mit tausenden Sammeladressen. Der Aufbau kostet etwa zwei Arbeitstage.

Was ist der Unterschied zwischen Pressearbeit und Öffentlichkeitsarbeit?

Öffentlichkeitsarbeit ist der Oberbegriff für die gesamte Kommunikation eines Unternehmens mit seinen Bezugsgruppen – Kunden, Bewerber, Nachbarn, Kommune, Verbände. Pressearbeit ist der Teil davon, der sich an Journalisten und Redaktionen richtet. In der Öffentlichkeitsarbeit sprechen Sie direkt zur Zielgruppe und dürfen werben; in der Pressearbeit sprechen Sie zu jemandem, dessen Aufgabe es ist, Werbung herauszufiltern.

Fazit

Pressearbeit für kleine Unternehmen ist kein verkleinertes Konzernprogramm, sondern eine eigene Disziplin: wenige echte Anlässe statt vieler Meldungen, namentliche Kontakte statt gekaufter Verteiler, Regelmäßigkeit statt Kampagne. Der Aufwand liegt bei etwa einem halben Tag je Meldung plus zwei Tagen einmaligem Verteileraufbau. Der Ertrag stellt sich zeitversetzt ein – und zuerst dort, wo ihn niemand gemessen hat.

Unsere Empfehlung: Fangen Sie nicht mit dem Text an, sondern mit der Verteilertabelle und dem Jahresplan. Beides zusammen kostet zwei bis drei Tage und entscheidet über alles, was danach kommt. Die erste Meldung schreiben Sie anschließend in zwei Stunden – und schicken Sie an Personen, die wissen, wer Sie sind.

Weiterlesen: Soll aus Pressearbeit gezielte Sichtbarkeit in Suchmaschinen werden, beschreibt Digital PR im Linkbuilding die Unterschiede in Themenwahl und Messung. Was Sie mit Nennungen ohne Link anfangen, klärt der Beitrag zu unverlinkten Markennennungen.

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