Linktausch: Warum er 2026 fast immer schadet
Linktausch ist die letzte Linkbuilding-Taktik, die noch als kostenlos gilt. Kein Budget, keine Rechnung, kein Freigabeprozess im Einkauf – zwei Marketingverantwortliche einigen sich per Mail, und beide Seiten haben einen Link mehr. Genau deshalb hält sich die Methode seit zwanzig Jahren, obwohl sie in den meisten Fällen weder Rankings bewegt noch risikofrei ist.
Die Rechnung geht aus zwei Gründen nicht auf. Erstens ist der Tausch nicht kostenlos, sondern teuer bezahlt in Arbeitszeit – nur taucht diese Position in keinem Budget auf. Zweitens hat Google für genau dieses Muster eine eigene Zeile in den Spam-Richtlinien, und die Erkennung ist heute nicht mehr auf ein Geständnis angewiesen.
Dieser Artikel trennt sauber zwischen zwei Dingen, die ständig vermischt werden: der gegenseitigen Verlinkung, die aus einer echten Geschäftsbeziehung entsteht und völlig unproblematisch ist, und dem organisierten Tauschprogramm, das Aufwand verbrennt und Risiko aufbaut. Dazwischen liegen fünf Kriterien, an denen sich jeder Einzelfall entscheiden lässt.
Kurz & knapp
- Linktausch bedeutet, dass zwei oder mehr Websites sich gegenseitig verlinken, weil sie das vereinbart haben – nicht, weil ein inhaltlicher Anlass dafür besteht. Der Tausch kommt direkt (A verlinkt B, B verlinkt A), im Dreieck (A → B, B → C, C → A) und in organisierten Gruppen vor.
- Googles Spam-Richtlinien für die Websuche nennen „exzessiven Linktausch“ ausdrücklich als Beispiel für Link-Spam. Das Stichwort ist exzessiv: Gemeint ist das System, nicht der einzelne gegenseitige Verweis zwischen zwei Unternehmen, die tatsächlich zusammenarbeiten.
- Ob eine gegenseitige Verlinkung unbedenklich ist, entscheidet sich an fünf Punkten: Gibt es einen Anlass außerhalb von SEO? Steht der Link im inhaltlichen Kontext? Wurde der Ankertext vorgegeben? Wiederholt sich das Muster? Und wie viele solcher Paare gibt es im Profil?
- Der Dreieckstausch (ABC) beseitigt nur die direkte Gegenseitigkeit, nicht die Fußspuren: gleiche Kontaktwege, wiederkehrende Domain-Cluster, zeitgleiche Veröffentlichung und wortgleiche Textbausteine bleiben sichtbar. Er verzögert die Erkennung, er verhindert sie nicht.
- Das größere Problem ist selten die Abstrafung, sondern die Wirkungslosigkeit. Getauschte Links stehen typischerweise auf Partnerseiten ohne Leser, ohne Traffic und ohne redaktionellen Kontext – sie werden algorithmisch entwertet oder gar nicht erst gezählt.
- Für KI-Suche ist getauschte Verlinkung wertlos. Modelle belegen eine Marke mit unabhängigen Quellen, die über sie schreiben. Zwei Websites, die sich gegenseitig auf eine Partnerliste setzen, erzeugen keine solche Quelle.
Was Linktausch ist – und in welchen Spielarten er vorkommt
Die Definition ist knapp: Von Linktausch spricht man, wenn ein Link deshalb gesetzt wird, weil im Gegenzug ein Link zurückkommt. Die Gegenleistung ist der Grund für die Platzierung. Alles andere – Thema, Kontext, Textumfeld – wird nachträglich darum herumgebaut.
In der Praxis begegnen uns fünf Varianten, die sich in Aufwand und Auffälligkeit deutlich unterscheiden, im Kern aber dasselbe Prinzip haben.
Der direkte Tausch (A↔B)
Die klassische Form: Zwei Websites verlinken sich gegenseitig, meist nach einer Anfrage per E-Mail. Häufig landet der Link auf einer Unterseite, die genau dafür existiert – „Partner“, „Empfehlungen“, „Links“. Beide Seiten wissen, dass die Platzierung eine Gegenleistung ist, und beide würden sie ohne diese Gegenleistung nicht vornehmen.
Diese Variante ist am leichtesten zu erkennen, weil die Gegenseitigkeit in den Daten steht. Jedes Backlink-Tool zeigt in seiner Domain-Ansicht an, ob eine verlinkende Domain auch von Ihnen verlinkt wird. Ein Wert von zwei oder drei solcher Paare ist normal, dreißig sind eine Aussage.
Der Dreieckstausch (ABC)
Der Versuch, die Gegenseitigkeit zu verschleiern: A verlinkt B, B verlinkt C, C verlinkt A. Niemand verlinkt seinen eigenen Linkgeber, die direkte Rückverbindung fehlt. In größeren Gruppen wird das auf vier oder fünf Stationen ausgedehnt, teils mit einer Tabelle, in der eingetragen wird, wer wem noch etwas schuldet.
Wer das organisiert, geht davon aus, dass Google nur Paare erkennt. Diese Annahme war schon vor zehn Jahren falsch – warum, steht weiter unten im Abschnitt zu den Fußspuren.
Tauschnetzwerke und Link-Gruppen
Organisierte Gruppen, meist in Slack-Kanälen, Facebook-Gruppen oder auf spezialisierten Plattformen, in denen Teilnehmer Linkangebote und -gesuche einstellen. Häufig mit Punktesystem: Wer einen Link gibt, bekommt Guthaben und kann dafür einen Link an anderer Stelle einlösen.
Das ist funktional ein Marktplatz – nur wird statt Geld in Links bezahlt. Aus Sicht der Richtlinien macht das keinen Unterschied: Google zählt ausdrücklich auch den Tausch von Waren und Dienstleistungen gegen Links zum Linkkauf. Ein Link ist eine Gegenleistung wie jede andere. Die Einordnung solcher Fälle haben wir im Beitrag zu den Google-Link-Spam-Richtlinien ausführlich durchdekliniert.
„Kollegen-Links“ unter Agenturen und Dienstleistern
Die eleganteste und deshalb am weitesten verbreitete Variante. Zwei Agenturen betreuen jeweils mehrere Kunden. In einem Blogartikel für Kunde X wird die Website von Kunde Y der anderen Agentur verlinkt – und umgekehrt. Formal berührt sich keine der beiden Agenturdomains, der Tausch findet auf Kundenkonten statt.
Diese Konstellation ist inhaltlich oft besser gemacht als der klassische Tausch, weil die Links im Fließtext echter Artikel stehen. Sie bleibt trotzdem ein Tausch, und sie hat eine zusätzliche Schwäche: Die Kunden erfahren in der Regel nichts davon und können der Platzierung deshalb weder zustimmen noch sie später erklären.
Partnerseiten-Listen
Die Unterseite mit dreißig Logos und Links, überschrieben mit „Unsere Partner“ oder „Interessante Links“. Sie ist der historische Rückstand einer Zeit, in der solche Seiten funktionierten, und sie ist heute in fast jedem gewachsenen Unternehmensauftritt vorhanden.
Unsere Empfehlung: Solche Seiten müssen Sie nicht panisch löschen. Prüfen Sie stattdessen, ob jeder Eintrag eine echte Beziehung abbildet – ein Lieferant, ein Systempartner, ein Verband, in dem Sie Mitglied sind. Was übrig bleibt, ist eine kurze, glaubwürdige Liste. Was Sie streichen, war ohnehin wirkungslos.
Was Google offiziell dazu sagt
Die Grundlage sind die Spam-Richtlinien für die Google-Websuche. Dort ist Link-Spam eine eigene Kategorie, und innerhalb dieser Kategorie führt Google eine Liste von Beispielen auf. Eines davon lautet sinngemäß: exzessiver Linktausch nach dem Muster „Verlinke mich, und ich verlinke dich“ sowie Partnerseiten, die ausschließlich zum Zweck der Querverlinkung existieren.
Zwei Dinge stehen dort ausdrücklich nicht. Es steht keine Zahl darin – kein Grenzwert, ab dem ein Tausch als exzessiv gilt. Und es steht nicht darin, dass gegenseitige Verlinkung generell unzulässig wäre. Wer beides behauptet, interpretiert über den Text hinaus.
Der übergeordnete Maßstab der gesamten Richtlinie gilt auch hier: Problematisch sind Links, deren primärer Zweck die Manipulation von Rankings ist. Bei einer Partnerseite, auf der Ihr Werkzeuglieferant steht, ist der primäre Zweck die Information Ihrer Kunden. Bei einer Linkliste mit dreißig thematisch unverbundenen Einträgen ist er es nicht – und das ist an der Seite selbst ablesbar, ohne dass jemand die zugrunde liegende Absprache kennen müsste.
Die Trennlinie: gewachsen oder verabredet
Gegenseitige Links entstehen in einer normalen Wirtschaft ständig. Ein Hersteller listet seine Fachhändler, die Fachhändler nennen den Hersteller. Ein Verband verlinkt seine Mitglieder, die Mitglieder verlinken den Verband. Ein Softwareanbieter und sein Implementierungspartner verweisen aufeinander, weil Kunden beide Seiten brauchen. Keiner dieser Fälle ist ein Richtlinienproblem, und keiner wird durch ein Backlink-Tool zu einem.
Der Unterschied zum Tauschprogramm lässt sich an fünf Merkmalen festmachen. In der Praxis genügt es meist, drei davon zu prüfen – wenn Anlass, Kontext und Ankertext stimmen, stimmen die anderen beiden fast immer auch.
| Kriterium | Natürlich gewachsen | Systematisch getauscht |
|---|---|---|
| Anlass | Eine Geschäftsbeziehung, Mitgliedschaft oder Zusammenarbeit besteht bereits. Der Link dokumentiert sie. | Der Link ist der Anlass. Die Beziehung entsteht erst durch die Anfrage und endet mit ihr. |
| Kontext | Der Link steht dort, wo er inhaltlich hingehört: Referenzseite, Produktseite, Fachartikel, Impressum eines Projekts. | Der Link steht auf einer Sammelseite ohne eigenen Zweck oder in einem Absatz, der nur wegen des Links geschrieben wurde. |
| Ankertext | Markenname, Domain oder eine beschreibende Formulierung, die der Autor selbst gewählt hat. | Vorgegebene Keyword-Phrase, oft mit Ortszusatz. Der Wortlaut steht in der Absprache. |
| Muster | Unregelmäßig verteilt über Jahre, mit unterschiedlichen Seitentypen und Formulierungen. | Gleiches Seitenformat, gleicher Satzbau, oft dieselbe Woche für Hin- und Rückverlinkung. |
| Skalierung | Eine Handvoll über die Unternehmensgeschichte. Neue kommen dazu, wenn neue Partner dazukommen. | Ein laufendes Programm mit Zielvorgabe, Kontaktliste und Statusspalte „offen / zugesagt / live“. |
Der Ankertext ist dabei das aussagekräftigste Einzelsignal. Ein Partner, der Sie aus eigenem Antrieb nennt, schreibt Ihren Firmennamen. Ein Tauschpartner schreibt, was in der Mail stand. Welche Verteilung über ein gesamtes Profil hinweg unauffällig aussieht, ordnet unser Beitrag zum Ankertext ein.
Warum der ABC-Tausch keine Lösung ist
Der Dreieckstausch beruht auf einer einzigen Annahme: Wenn die direkte Rückverbindung fehlt, fehlt der Beweis. Das stimmt – nur braucht die Erkennung keinen Beweis, sondern nur ein Muster, das sich nicht durch Zufall erklären lässt. Und Muster hinterlässt jedes organisierte Programm.
Die vier Fußspuren, die bleiben
- Dieselben Kontaktwege. Tauschprogramme laufen über eine Handvoll Vermittler, Gruppen und Mailvorlagen. Die Teilnehmer sind deshalb nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern bilden einen geschlossenen Kreis, der sich immer wieder gegenseitig begegnet – auch dann, wenn kein einzelnes Paar direkt verbunden ist.
- Wiederkehrende Cluster. Dieselben zwanzig Domains tauchen in wechselnden Kombinationen in den Linkprofilen der Teilnehmer auf. Aus Sicht einer Graphanalyse ist das keine Kette aus Einzelfällen, sondern eine dicht verbundene Teilmenge des Webs, die außerhalb dieser Verbindungen kaum Bezug zueinander hat.
- Gleichzeitige Veröffentlichung. Tauschabsprachen haben eine Frist. Beide oder alle drei Links gehen deshalb innerhalb weniger Tage live. Natürlich entstandene Verweise verteilen sich über Monate, weil sie unabhängige Anlässe haben.
- Gleiche Textbausteine. Wer zwanzig Tauschlinks unterbringen muss, schreibt nicht zwanzig eigene Absätze. Der Satz um den Link herum wiederholt sich mit ausgetauschten Substantiven, häufig in identischer Position im Artikel. Das ist über Domains hinweg maschinell erkennbar und für einen menschlichen Prüfer beim zweiten Beispiel offensichtlich.
Selbst wenn keine dieser Spuren je ausgewertet wird, bleibt das zweite Problem: Die Links wirken nicht. Sie stehen auf Seiten mit wenigen Besuchern, ohne redaktionelle Prüfung, oft tief in der Seitenarchitektur vergraben. Was ein Link tatsächlich weitergeben kann und wovon das abhängt, erklärt unser Beitrag zum Linkjuice; wie man den Wert einer einzelnen Quelle vorab einschätzt, zeigt der Leitfaden zum Backlinks bewerten.
Der ABC-Tausch kauft also im besten Fall Zeit und verteuert im selben Zug die Umsetzung: dreimal so viel Koordination, dreimal so viele Abhängigkeiten, dreimal so viele Absprachen, die scheitern können. Für ein Ergebnis, das in beiden Varianten dasselbe ist.
Konstellationen, Risiko und die bessere Alternative
Die folgende Tabelle deckt die Fälle ab, die in unseren Projekten regelmäßig auf dem Tisch liegen. „Risiko“ bezieht sich dabei auf beides: die Wahrscheinlichkeit einer Entwertung und die Wahrscheinlichkeit, dass der Aufwand wirkungslos bleibt.
| Konstellation | Risiko | Was stattdessen tun |
|---|---|---|
| Hersteller und Fachhändler verlinken sich auf ihren Referenzseiten | Kein Risiko | Nichts ändern. Höchstens den Ankertext auf den Markennamen bringen, falls dort eine Keyword-Phrase steht. |
| Verein, Verband oder Innung verlinkt Mitglieder, Mitglieder verlinken zurück | Kein Risiko | Beibehalten und ausbauen: Mitgliedschaften sind auch für die Entität Ihrer Marke ein sauberes Signal. |
| Gegenseitiger Link mit einem Kunden nach einem gemeinsamen Projekt | Kein Risiko | Als Case Study ausbauen. Ein Referenzbericht mit Zahlen wird von Dritten weiterverlinkt, eine Logo-Zeile nicht. |
| „Interessante Links“-Seite mit 20+ thematisch gemischten Einträgen | Gering bis mittel | Auf tatsächliche Partner eindampfen. Der Rest kann ersatzlos weg – diese Seiten bringen keiner Seite Wert. |
| Tauschanfrage per Kaltakquise-Mail, Link gegen Link | Mittel | Ablehnen und zurückfragen, ob ein Gastbeitrag möglich ist. Der Aufwand ist ähnlich, das Ergebnis nicht vergleichbar. |
| Agentur-Kollegen setzen wechselseitig Links in Kundenartikel | Mittel bis hoch | Aufhören und die Kunden informieren. Ohne Kenntnis des Kunden ist die Platzierung im Ernstfall auch vertraglich heikel. |
| ABC-Ringtausch in einer organisierten Gruppe | Hoch | Aussteigen. Die Fußspuren bleiben, der Nutzen ist gering, und die Gruppe kennt Ihre Domain. |
| Tauschprogramm mit Zielvorgabe und vorgegebenen Keyword-Ankern | Hoch | Beenden, Bestand dokumentieren und das Budget in redaktionelle Platzierungen umschichten. |
Auffällig ist die obere Tabellenhälfte: Alles, was aus einer echten Beziehung entsteht, steht auf „kein Risiko“. Die Empfehlung lautet dort nirgends „entfernen“, sondern „ausbauen“. Der Fehler liegt nie in der Gegenseitigkeit, sondern immer in der Verabredung.
Was ein Tauschprogramm tatsächlich kostet
Der stärkste Einwand gegen Linktausch ist kein Richtlinienargument, sondern eine Rechnung. Das folgende Beispiel ist ein Erfahrungswert aus einem B2B-Projekt unserer Beratungspraxis, gerundet und anonymisiert.
Ein mittelständischer Anbieter setzte ein halbes Jahr lang wöchentlich einen halben Tag für Linktausch ein: Recherche, Anschreiben, Nachfassen, Abstimmung der Texte, Kontrolle der Umsetzung. Das sind rund 100 Arbeitsstunden. Bei einem internen Vollkostensatz von 70 Euro entspricht das etwa 7.000 Euro – Geld, das in keinem Marketingbudget als Linkbuilding auftaucht.
Das Ergebnis nach sechs Monaten: rund 120 Anfragen, 22 Zusagen, 16 tatsächlich umgesetzte Links, davon nach zwölf Monaten noch 11 online. Die Domains lagen überwiegend im Bereich Domain Rank 15 bis 35, fast alle Platzierungen auf Partner- oder Ressourcenseiten. Referral-Traffic aus allen Links zusammen über sechs Monate: unter 100 Sitzungen. Messbare Ranking-Bewegung: keine, die sich von den parallel laufenden Content-Maßnahmen hätte trennen lassen.
Zum Vergleich dieselben 7.000 Euro in redaktionelle Platzierungen: Das reicht im deutschsprachigen Markt für vier bis sechs Beiträge in Fachmedien mit echter Leserschaft, inklusive Textproduktion. Diese Beiträge stehen im redaktionellen Umfeld, sie bringen Referral-Traffic in einer anderen Größenordnung, und sie sind zitierfähig. Welche Titel dafür infrage kommen und welche Konditionen sie anbieten, können Sie in unserem Verzeichnis der deutschsprachigen Fachmagazine nach Branche und Format filtern. Wie eine solche Platzierung inhaltlich aufgebaut sein muss, damit die Redaktion sie nimmt, beschreibt unser Beitrag zum Gastbeitrag.
Der eigentliche Kostenpunkt beim Tausch ist also nicht das Risiko, sondern die Opportunität: 100 Stunden, die einmal ausgegeben und nicht wieder verfügbar sind, für elf Links auf Seiten, die niemand liest.
Wenn im Profil schon getauschte Links stecken
Der häufigste Fall in unserer Praxis ist nicht das laufende Programm, sondern das Erbe: Irgendwann zwischen 2012 und 2019 wurde getauscht, die Verantwortlichen sind längst nicht mehr im Unternehmen, und niemand weiß mehr, welche Links dazugehören. Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten dieser Fälle ist keine Aktion nötig.
Prüfen Sie zuerst die Search Console. Steht unter „Manuelle Maßnahmen“ nichts, liegt kein Problem vor, das ein Formular lösen könnte. Alte Tauschlinks aus Partnerseiten werden in diesem Fall schlicht nicht gezählt – sie schaden nicht, sie tun nichts.
Handlungsbedarf entsteht in zwei Situationen: bei einer tatsächlichen manuellen Maßnahme und bei einem laufenden Programm, das Sie beenden. Dann gilt die übliche Reihenfolge – erst Bestand aufnehmen, dann Entfernung anfragen, und erst zuletzt entwerten. Den vollständigen Ablauf beschreibt unser Backlink-Audit, die Frage, wann eine Datei über das Disavow-Tool überhaupt sinnvoll ist, klärt der zugehörige Beitrag.
Unsere Empfehlung: Räumen Sie zuerst die eigene Seite auf, nicht das fremde Profil. Die ausgehenden Links auf Ihrer Partnerseite können Sie in zwanzig Minuten selbst korrigieren – bei den eingehenden sind Sie auf die Mitarbeit anderer angewiesen und brauchen Wochen für einen Effekt, den meist niemand messen kann.
Für KI-Suche ist getauschte Verlinkung wertlos
2026 kommt eine zweite Bewertungsebene dazu. Google zeigt in AI Overviews und im KI-Modus Quellenlinks an, ChatGPT Search und Perplexity zitieren Quellen mit Verweis. Ob eine Marke dort auftaucht, hängt nicht daran, wie viele Domains auf sie verlinken, sondern daran, ob es unabhängige Quellen gibt, die über sie schreiben und die ein Modell als Beleg heranziehen kann.
Genau das leistet ein getauschter Link nicht. Ein Eintrag in einer Partnerliste enthält keine Aussage über Ihr Unternehmen – kein Urteil, keine Einordnung, keinen Kontext, nichts, was sich zitieren ließe. Er ist eine Zeile in einer Aufzählung, die auch für einen menschlichen Leser keine Information trägt.
Der Unterschied ist grundsätzlicher Natur: Linkbuilding fragt, wer auf Sie verweist; GEO fragt, wer über Sie schreibt. Eine Erwähnung ohne Link ist für Linkbuilding wertlos, für die KI-Sichtbarkeit aber ein Signal – umgekehrt ist ein Link ohne inhaltliche Aussage für beides fast nichts wert. Diese Abgrenzung entfalten wir im Beitrag zu GEO und Brand Mentions.
Häufige Fragen
Ist Linktausch verboten?
Googles Spam-Richtlinien nennen exzessiven Linktausch ausdrücklich als Beispiel für Link-Spam – das Stichwort ist die Systematik, nicht die Gegenseitigkeit. Zwei Unternehmen, die zusammenarbeiten und deshalb aufeinander verweisen, verstoßen gegen nichts. Ein organisiertes Programm mit Kontaktliste, Zielvorgabe und vorgegebenen Ankertexten fällt dagegen unter die Richtlinie, auch wenn kein Geld fließt.
Wie viele reziproke Links sind unbedenklich?
Google nennt keine Zahl, und jede kursierende Prozentangabe ist erfunden. Der brauchbare Maßstab ist nicht die Menge, sondern der Anlass: Wenn Sie zu jedem gegenseitigen Link in einem Satz erklären können, welche Geschäftsbeziehung dahintersteht, ist die Anzahl kein Thema. Können Sie das bei der Hälfte nicht, ist die Anzahl auch nicht das eigentliche Problem.
Erkennt Google einen ABC-Linktausch?
Google bestätigt keine Erkennungsmethoden im Detail, gibt aber an, Link-Spam automatisiert zu erkennen und die betroffenen Links zu neutralisieren. Ein Ringtausch beseitigt nur die direkte Rückverbindung, nicht die übrigen Muster: wiederkehrende Domain-Cluster, zeitgleiche Veröffentlichung und nahezu identische Textbausteine. Verlassen sollte man sich auf den Umweg deshalb nicht.
Soll ich alte Tauschlinks entfernen lassen?
Nur, wenn es einen konkreten Anlass gibt – in der Regel eine manuelle Maßnahme in der Search Console. Ohne diesen Eintrag werden alte Tauschlinks meist einfach nicht gezählt, und der Aufwand für Entfernungsanfragen steht in keinem Verhältnis zum Effekt. Was Sie in jedem Fall tun sollten: die ausgehenden Links auf Ihrer eigenen Partnerseite auf tatsächliche Partner reduzieren.
Ist eine Partnerseite grundsätzlich schädlich?
Nein. Eine Seite, die Ihre Systempartner, Lieferanten oder Verbandsmitgliedschaften auflistet, ist eine ganz normale Unternehmensseite und für Kunden nützlich. Problematisch wird das Format erst, wenn die Liste beliebig wird und Einträge enthält, die nur wegen des Rücklinks dort stehen. Die Prüffrage lautet: Würde ein Kunde diese Seite lesen wollen?
Was ist die beste Alternative zum Linktausch?
Dieselbe Zeit in eine redaktionelle Platzierung zu stecken, für die Sie einen Beitrag mit eigenem Wert liefern – ein Fachartikel, eine Auswertung eigener Daten, eine Einordnung, die eine Redaktion sonst nicht bekommt. Der Aufwand pro Platzierung ist höher, die Trefferquote geringer, aber jede einzelne Platzierung wirkt in Reichweite, Ranking und KI-Zitationen zugleich. Der Weg dorthin steht in unserem Überblick über Strategien zum Backlinkaufbau.
Fazit
Linktausch scheitert 2026 nicht in erster Linie an Google, sondern an der eigenen Rechnung. Er kostet Arbeitszeit in einer Größenordnung, die in keinem Budget sichtbar wird, und liefert dafür Links auf Seiten ohne Leser. Dass er zusätzlich als Beispiel in den Spam-Richtlinien steht, ist das kleinere der beiden Argumente – aber es macht die Entscheidung eindeutig.
Unsere Empfehlung: Beenden Sie jedes laufende Tauschprogramm, kürzen Sie die eigene Partnerseite auf echte Partner und lassen Sie alles stehen, was aus einer realen Geschäftsbeziehung entstanden ist. Investieren Sie die freigewordene Zeit in zwei bis drei redaktionelle Platzierungen pro Quartal. Das ist weniger Bewegung im Backlink-Tool und deutlich mehr Wirkung.
Weiterlesen: Was genau in den Richtlinien steht und wie zwölf Praxisfälle einzuordnen sind, lesen Sie unter Google Link-Spam-Richtlinien. Wie Sie Platzierungen in redaktionellen Umfeldern systematisch aufbauen, zeigt unser Pillar zum Digital-Magazin-Linkbuilding. Und wenn Sie bei null anfangen, führt Sie der Grundlagen-Lernpfad durch die Reihenfolge.
